Ein Freund der Europäischen Union ist der amerikanische Präsident Donald Trump ganz sicher nicht. Aber weil er den Europäern so viel Angst einjagt, trägt Trump möglicherweise mehr zum Zusammenhalt Europas bei, als es alle amerikanischen Freunde der EU zusammen zu leisten imstande wären. Er veranlasst sie, gemeinsame Sache zu machen. Gleichzeitig spielt die gute wirtschaftliche Lage den Europa-Befürwortern in die Hände. Und Trumps europäische Freunde erlitten an den Wahlurnen zuletzt deutliche Niederlagen. Der selbst ernannte "niederländische Trump" Geert Wilders blieb in Holland deutlich hinter den Erwartungen zurück. Nun wird sich die neue Koalition in den Niederlanden voraussichtlich aus Parteien zusammensetzen, die uneingeschränkt hinter der EU stehen.

Und die arme Theresa May? Die britische Premierministerin musste ausgerechnet jetzt, da die Briten auf sich allein gestellt sind, bei Trump in Handelsfragen zu Kreuze kriechen. Das ist ungefähr so, als würde man ein Lamm zum Wolf schicken, damit es gerechte Spielregeln aushandelt.

In Frankreich hat Marine Le Pen das falsche Timing. Jetzt, da ein Protektionist im Weißen Haus sitzt und die Europäer die Macht der EU benötigen, um ihn abzuschrecken, wirkt sie mit ihrer EU-feindlichen Haltung veraltet. Für Le Pen ist der Zeitpunkt auch deshalb ungünstig, weil die Wahlen jetzt stattfinden, da die französische Wirtschaft sich so lebendig wie seit Jahren nicht mehr zeigt.

Der Einkaufsmanagerindex (EMI) für den französischen Dienstleistungssektor erreicht aktuell den höchsten Stand seit 2011. Im März lag er bei 58,5, erwartet worden war ein Wert von 56,1. Im verarbeitenden Gewerbe lag der EMI bei 53,4, einen Punkt höher als erwartet. Alles, was über 50 liegt, gilt als Indiz für eine wachsende Wirtschaft. Wichtig sind Veränderungen dieses Werts deshalb, weil er auf die Zukunft gerichtet ist und weil man mit dem EMI bislang hervorragend Veränderungen der Wirtschaftskraft prognostizieren konnte. Tatsächlich fallen alle neueren EMI-Berichte deutlich optimistischer aus als die optimistischsten Prognosen, die Ökonomen in letzter Zeit wagten.

Auch das drängt die europafeindlichen Populisten in die Defensive, hatten sie doch der Gemeinschaftswährung immer wieder die Schuld an der Wirtschaftsmisere in Europa gegeben. Sowohl Frankreichs Le Pen als auch Italiens Beppe Grillo weichen ihre einst harte europafeindliche Position inzwischen auf und satteln mitten im Rennen um.

Trumps Protektionismus gefährdet kein anderes EU-Mitglied so stark wie Deutschland. Amerika ist der beste Kunde der Deutschen, und Trump hat schon klargemacht, das Handelsungleichgewicht zwischen den beiden Staaten durch ein bilaterales Abkommen aus der Welt schaffen zu wollen.

Doch als Mitglied der EU kann Deutschland keine bilateralen Handelsvereinbarungen treffen. Deutschland kann auch nicht den Euro in die Höhe treiben, denn nur die Europäische Zentralbank (EZB) ist befugt, in der Währungspolitik zu intervenieren. In Zeiten, in denen der böse Wolf an die Tür klopft, kommt es Deutschland gut zupass, Mitglied von EU und EZB zu sein.

Natürlich kann es so weit kommen, dass Amerika deutsche Ausfuhrgüter wie beispielsweise Autos mit Steuern belegt, aber Deutschland kann aus der EU heraus viel besser daran arbeiten, derartige Szenarien abzuwenden, denn Vergeltungsmaßnahmen der EU wären deutlich schmerzhafter als die, die Deutschland alleine zustande kriegt.

Am 60. Geburtstag der Europäischen Union erinnert Donald Trump die Europäer daran, dass der Bund wichtiger ist denn je.

Aus dem Englischen von Matthias Schulz