Der Philosoph Blaise Pascal hat einmal gesagt, das Unglück der Menschen rühre allein daher, dass sie nicht ruhig in einem Zimmer zu bleiben vermöchten. Wie wahr! Amerika wäre nicht entdeckt und Donald Trump nicht zum Präsidenten gewählt worden, die Welt wäre groß und unbekannt und voller Geschichten über fremde Gestade und ferne Länder, über Einhörner und Fabelwesen und auch den Yeti. Von Odysseus wüssten wir gar nichts, er wäre auf Ithaka in seinem Zimmer geblieben, hätte Penelope im Haushalt geholfen und mit Telemach ein süßes trojanisches Pferd geschnitzt. Nichts hätte Homer zu erzählen gehabt, und das Buch der Geschichte bestünde aus leeren weißen Blättern. Die berühmte Nudel hätte Italien ebenso wenig verlassen wie Napoleon Bonaparte sein geliebtes Korsika. Überhaupt hätte sich der westliche Mensch seine Unschuld bewahrt, und die Erde wäre so strahlend schön wie am ersten Tag, während sie in Wirklichkeit ziemlich durch den Wind ist, sie ächzt und schwitzt und sieht aus wie eine runzelige Kartoffel aus der letzten Saison.

"So hübsch, wie sie einst war, wird die Erde nie wieder", jammern die Grünen und winken traurig aus Kretschmanns dickem Mercedes. Aber noch ist nicht aller Tage Abend, denn fleißige Astrophysiker haben herausgefunden, dass es nicht nur einen Urknall gab, sondern derer viele, und so ist es nicht ausgeschlossen, dass Mutter Erde eine Zwillingsschwester hat, irgendwo in einem anderen Universum, am Ende der kosmischen Nacht und tief im Schweigen der Räume. Jetzt, wo bei uns die Dinge aus dem Ruder laufen, wäre es an der Zeit, das doppelte Lottchen einmal kennenzulernen, vielleicht hat Erde II ja mehr Glück mit ihren Bewohnern, und sie leben im galaktischen Frieden, ohne ihre Heimstatt aufzuheizen wie einen bayerischen Knödel, auch ohne hässliche Mauern oder den exotischen Brauch, dass die eine Hälfte der Bewohner am Hungertuch nagt, während die andere unter Absingen christlicher Lieder im Champagner badet.

"Hallöchen, wie geht’s uns denn so?", würden wir unseren Brüdern und Schwestern auf Erde II zurufen, und ein kleines Präsent würde ihr Herz erfreuen, zum Beispiel ein Glas Nutella, ein Rubbellos, ein paar Feuchttücher aus der praktischen Spenderbox oder holländische Tulpen von Blume 2000. Und wenn wir sehen, dass auf Erde II alles noch so ist, wie es bei uns daheim einmal war, und wenn die Sonne bei Capri II im Meer versinkt, dann fangen wir noch einmal ganz von vorn an und halten es mit Blaise Pascal: Wir rühren uns nicht mehr vom Fleck und bleiben einfach da, bis zum Ende, bis zum

FINIS