Trecker fahren

Manche Menschen telefonieren gern. Ich nicht. Ich bin lieber produktiv. Während unvermeidbarer Telefonate pflüge ich gerne ein Maisfeld um. Dazu rolle ich den Aufsattel-Drehpflug von Vogel & Noot auf den Hof. Das ist eines der besten Stücke in meinem Fuhrpark, hocheffizient mit seinen sieben Scharen, bildhübsch anzusehen, der Stahl bis an die Schneiden knallrot lackiert. Klar, dass ich dieses imposante Gerät schon aus optischen Erwägungen nicht mit einem der kleineren Schlepper wie dem Fendt 724 Vario bewege. Das ist ein Job für die großen Trecker, für den John Deere 9560R oder den Claas Xerion 5000 Trac, den mit der drehbaren Kabine. Mit so einem Gespann ziehe ich meine Furchen über die Fläche, schnurgerade und in zentimetergenauem Abstand zueinander. Und ähnlich geordnet werden meine Gedanken im ruhigen Rhythmus dieser Arbeit.

Nur ganz selten drifte ich dabei vollkommen auf eine Art Meta-Acker hinaus, dann merke ich nicht mal mehr, dass ich formal immer noch telefoniere. Gelegentlich werde ich bei diesen Verrichtungen gestört. Neulich kam die Nachbarin vorbei. Ich hatte meine Tür nicht richtig geschlossen, sie wollte sich den Staubsauger leihen. Ich bemerkte sie erst, als sie mit ihrem Kind praktisch neben mir stand. Der kleine Mann schaute auf die Auswahl von Fahrzeugen auf meinem Schreibtisch, und er murmelte tonlos: "Sind das alle deine?" In seinen Augen war ich unermesslich reich. Die Nachbarin staunte weniger, sie lachte.

Früher hätte mich das verunsichert. Ich hätte mich gefragt, ob sie vielleicht denkt, ich würde spielen. Ich brauchte eine Weile, um in das Selbstverständnis dieser Zen-Form der Landwirtschaft hineinzuwachsen. Der Fuhrpark selbst entstand über mehrere Jahre. Immer wieder schenkte ich meinem Sohn eines dieser Modelle aus der Farmer-Serie von Siku im Maßstab 1 : 32. Das Kind wurde groß, zog aus – und ließ seine Spielzeugautos zurück.

Die Rennwagen und die Fantasieflitzer verstauben weiter auf dem Dachboden, das Landwirtschaftsgerät aber sortierte ich in einer sentimentalen Regung in meine Schreibtischschublade. Irgendwann gab es dann ein Problemgespräch am Telefon, das mich nicht vollständig fesselte. Ich nahm einen Traktor in die Hand, spürte, was für ein wohltuendes Gegengewicht das Rangieren schweren Geräts zu allzu vielen Wörtern sein kann, und telefoniere seitdem am liebsten aus der virtuellen Fahrerkabine heraus.

Ist meine Arbeitsfläche zu unaufgeräumt, um als allenfalls sanft rollender Acker zu dienen, muss ich auf diesen Ausgleich dennoch nicht verzichten: Ich wechsele dann zu den Modellen der Forst-Serie wie dem John Deere Forwarder. Seilwinde, Kran, vier Achsen, dazu das unwegsame Gelände – das ist schon ziemlich herausfordernd im Handling. Nebenbei lasse ich im Fernseher gern ohne Ton die Waldarbeiterserie Ax Men auf ProSieben Maxx laufen. Dann wabert das Testosteron dieselschwer durch die Bude und bewahrt mich selbst bei längsten fernmündlichen Unterhaltungen davor, einzunicken.