Am Eingang hängt ein Plakat: Marcell Jansens Gesicht, überlebensgroß. An den Wänden reihen sich signierte Trikots. Vor zwei Jahren hat der ehemalige HSV-Spieler mit dem Profifußball aufgehört, heute betreibt der 31-Jährige am Stephansplatz einen Laden – mit orthopädischen Produkten.

DIE ZEIT: Herr Jansen, Sie verkaufen jetzt Kompressionsstrümpfe?

Marcell Jansen: Klar. Viele Leute gehen mit Kompressionsstrümpfen ins Fitnessstudio. Dafür muss man nicht krank sein. Wir bedienen vom Kleinkind bis zur Oma alle und bieten alles von orthopädischen Einlagen bis Kompressionsstrümpfen.

ZEIT: Wie kamen Sie darauf?

Jansen: Als Fußballprofi hatte ich die beste medizinische Betreuung. Aber was machen Leute, die gesund bleiben wollen, und nicht viel Geld haben? Mein Anspruch war, eine Anlaufstelle für jedermann zu schaffen. Hier kriegt man die gleichen Produkte und den gleichen Service wie die Profis.

ZEIT: Ihr Gesicht prangt als Aufsteller vor dem Laden. Was ist Ihre Aufgabe?

Jansen: Mit einem Freund habe ich vor vier Jahren in meiner Heimat Mönchengladbach den ersten Laden eröffnet. Schon als aktiver Spieler war ich beim Vertrieb und Marketing dabei. Er sagte: Du hast ein Talent dafür, du bist glaubwürdig.

ZEIT: Haben Sie eigenes Geld in die Hamburger Filiale gesteckt?

Jansen: Ja.

ZEIT: Wo haben Sie Ihr Geld noch investiert?

Jansen: Erst in eine Charity-Poker-Website, dann kamen der Sportladen und die Sportklamotten von GymJunky. Erst vor Kurzem habe ich in die interaktive Fußball-App BonuScore investiert.

ZEIT: Was haben Ihre Projekte gemeinsam?

Jansen: Es muss etwas sein, das zu mir passt. Fußball ist ein Mannschaftssport – wenn man das Glück hatte, so einen schönen Beruf zwölf Jahre erfolgreich auszuüben, dann macht es Spaß, anderen jungen Leuten zu helfen.

ZEIT: Erinnern Sie sich noch an das erste Mal, als Sie mit Fußball Geld verdient haben?

Jansen: Mit 16 in der B-Jugend. 200 Mark. Kleine Beträge, die man aufs Sparbuch gepackt hat.

ZEIT: Wofür haben Sie gespart?

Jansen: Ich wollte so viel wie möglich selber dazu beitragen, mit 18 ein Auto zu besitzen.

ZEIT: Das klingt vernünftig.

Jansen: Wir hatten zu Hause nicht viel Geld. Trotzdem hatte ich immer das Gefühl, dass wir reich waren. Das lag an meinen Eltern.

ZEIT: Was haben sie Ihnen beigebracht?

Jansen: Meine Mutter wusste, wann es für einen Jungen wichtig ist, für Gummibärchen zwei Mark in der Hosentasche zu haben. Oder zehn für eine Runde Bier, wenn man auf der Kirmes nicht blöd dastehen will. Aber sie wusste auch, wann man für Geld arbeiten muss. Meine Eltern haben 35 Jahre lang von morgens um vier, fünf Uhr an geklebt, so sagt man das bei uns. Meine Mutter halbtags bei Aldi im Lager, mein Vater bei Kaiser’s Tengelmann als Warenannahmeleiter. Wenn wir Glück hatten, sind wir einmal im Jahr in Urlaub gefahren. Ich hatte trotzdem nie das Gefühl, dass mir etwas fehlte.