Die Werbung zeigt ein Schwert mit lilafarbenem Griff, das senkrecht im Boden steckt. Ein heller Schein umgibt die Klinge der Waffe, die so scharf wirkt, als sei sie von den Zwergen Avalons persönlich bei Vollmond aus Meteoreisen geschmiedet worden. Preisfrage: Wie heißt das damit beworbene Produkt?

Antwort: "Axial 50, das Volksherbizid für alle". Kein Witz! Ein Pflanzenschutzmittel. Leserin Julia H. machte mich darauf aufmerksam. Die Sache mit dem Schwert und dem Volksherbizid hat sich das Kreativteam des Chemiekonzerns Syngenta ausgedacht. Die wollten halt mal etwas Lustiges machen, wo sie doch so ernste Dinge verkaufen, die Unkräuter, Ungräser und Ungeziefer vernichten, damit Kräuter, Gräser und Geziefer besser gedeihen. Aber es geht hier ausnahmsweise nicht um Chemie auf dem Acker.

Vielmehr bewegt mich, dass Herbizide so ziemlich die vorletzte Produktkategorie darstellen, die bisher noch nicht mit der Vorsilbe "Volks-" beworben wurde. Volksbibeln, Volksfahrräder und Volkswaschmaschinen hat die Bild-Zeitung ja schon vor vielen Jahren ervolk-, nein: erfolgreich unters (Sie wissen schon, wen) gebracht. Jetzt kommt Syngenta mit Unkrautvernichter. Warum ein Herbizid, das ausdrücklich zur Steigerung von Getreideerträgen gedacht ist, etwas fürs ganze Volk sein soll (das übrigens zu 75 Prozent in Städten wohnt, wo Ackerfläche noch rarer ist als bezahlbarer Wohnraum), bleibt indes ebenso ein Geheimnis wie der Verbleib des Schwertes Excalibur in der Artussage.

Insgesamt verzeichnet das Völkische in der Werbung mehr Tief- als Höhepunkte. Volkswagen bekommt die Dieselaffäre nicht wirklich in den Griff. Und der Kurs der Telekom-Aktie, die um die Jahrtausendwende noch als Volksaktie angepriesen und massenhaft verkauft wurde, ist bis heute ein Denkmal des rasierten Kleinanlegers. Nur die Volksverdummung, die funktioniert zuverlässig.