Ein Nachteil von Solarzellen ist, dass sie nur Strom liefern, wenn sie beschienen werden. Da wir aber auch nachts Energie benötigen, wird mit viel Aufwand an Techniken geforscht, um Solarstrom zu speichern und im Dunkeln zu nutzen.

Aber nachts ist es ja nicht komplett dunkel, vor allem bei Vollmond. Könnte man daher das Licht des Erdtrabanten nutzen, um rund um die Uhr kostenlose Energie aus dem All zu zapfen? Vor drei Jahren standen auch in seriösen Medien Meldungen über ein deutsches Start-up, das mit einer neuen Technik Solarzellen so verbessern wollte, dass sie sogar bei Mondlicht Strom liefern. Es wurde gar suggeriert, dass man auf diese Weise nachts die Batterie von Elektroautos aufladen könne. Lade, Auto, lade!, titelte Spiegel Online .

Das Start-up sammelte über eine Crowdfunding-Plattform 200.000 Euro – bis heute kann man kein Produkt kaufen. Der Plan war, mithilfe einer Glaskugel das einfallende Licht zu konzentrieren und so die Lichtintensität zu vergrößern. Gegen die physikalische Tatsache, dass pro Quadratmeter nur eine bestimmte Menge an Sonnen- oder Mondlicht auf die Erde fällt, kann aber der gewiefteste Erfinder nichts ausrichten.

Die lunare Lichtlieferung bleibt in jedem Fall bescheiden. Der Mond erscheint uns zwar hell, weil unsere Augen sich gut an die Dunkelheit anpassen können. Tatsächlich aber handelt es sich bei ihm um einen kleinen, grauen Steinbrocken, der ein bisschen Sonnenlicht auf die Erde reflektiert. Selbst bei Vollmond und klarem Himmel ist das nur etwa ein Vierhunderttausendstel des Lichts, das uns von der Sonne erreicht. In Zahlen: Während in unseren Breiten im Sommer etwa 1.000 Watt Sonnenenergie jeden Quadratmeter erreichen, schickt uns der Mond nur 0,003 Watt. Und die besten Solarzellen wandeln nur etwa ein Viertel der einfallenden Energie in Strom um.

Jetzt können wir rechnen: Um eine winzige rote Leuchtdiode mit Strom zu versorgen, braucht man das Sonnenlicht, das auf eine Zelle mit gut zwei Quadratzentimetern fällt. Für dieselbe Menge Strom aus Mondlicht wären 96 Quadratmeter nötig – die Fläche einer größeren Wohnung. Für ein kleines Lämpchen, wohlgemerkt.

Der Traum, Autos mit Mondstrom fahren zu lassen, ist gänzlich absurd: Man müsste das Licht auf einer Fläche von zwei mal zwei Kilometern ernten, um über Nacht die Batterie eines einzigen Elektroautos aufzuladen.

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