1. Trump stellt alle Handelsbeziehungen auf den Prüfstand. Wie ernst meint er das?

Er selbst? Sehr ernst. Schon in seinem ersten großen Interview im Playboy im Jahr 1990 beklagt er sich darüber, dass der internationale Handel Arbeitsplätze in den USA vernichte. Seither ist die Vorstellung, die Amerikaner würden von ihren Handelspartnern über den Tisch gezogen, ein fester Bestandteil seiner ökonomischen Agenda. Deshalb hat er angeordnet, dass alle geltenden Handelsverträge seines Landes überprüft werden. In 90 Tagen soll dazu ein Bericht vorliegen.

Weniger eindeutig sind die Positionen seiner Berater im Weißen Haus. Eine Gruppe um den Wirtschaftsprofessor Peter Navarro und Trumps Chefstrategen Stephen Bannon plädiert für eine harte Linie. Sie will dafür sorgen, dass die Unternehmen ihre Produktion in die Vereinigten Staaten verlagern und das amerikanische Handelsdefizit in Höhe von rund 500 Milliarden Dollar sinkt. Sie ist bereit, zu diesem Zweck Strafzölle auf Einfuhren aus dem Ausland zu verhängen, und würde notfalls sogar die Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) ignorieren.

Einer zweiten Gruppe um Trumps obersten Wirtschaftsberater Gary Cohn geht das zu weit. Sie will sich an die Vorgaben der WTO halten. In der Regel handelt es sich um Leute, die wie Cohn – ehemals Vizechef der Investmentbank Goldman Sachs – über gute Kontakte in die Wirtschaft verfügen. Es gibt erste Indizien dafür, dass die Pragmatiker im Moment Oberwasser haben. In einem ersten Entwurf für eine Neuverhandlung des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (Nafta) beispielsweise tauchen radikale Neuerungen nicht auf. Das Dokument ist allerdings noch nicht mit dem Kongress abgestimmt und kann noch geändert werden.

2. Welchen Ländern könnten im Ernstfall Strafzölle drohen?

Das lässt sich jeder Handelsstatistik entnehmen. Die amerikanische Regierung konzentriert sich vor allem auf Länder, die mehr Waren in die USA liefern, als sie von dort beziehen. Das sind China, Deutschland, Japan und Mexiko. In einem Interview mit der Financial Times hat Trump den Chinesen indirekt vorgeworfen, den Kurs ihrer Währung gegenüber dem Dollar künstlich niedrig zu halten, um sich Wettbewerbsvorteile zu verschaffen. Wenn das Finanzministerium in Washington diesen Vorwurf in seinem nächsten offiziellen Devisenbericht bestätigt, dann könnte Trump zumindest nach US-Recht Strafzölle gegen das Land verhängen.

Quelle: US-Finanzministerium, US-Handelsministerium © ZEIT-Grafik: Benedikt Becker und Jelka Lerche

Am Wochenende hat das amerikanische Handelsministerium schon die deutschen Stahlkonzerne Salzgitter und Dillinger Hütte beschuldigt, ihre Produkte in Amerika unter Wert zu verkaufen. Handelsminister Wilbur Ross will den Zoll anweisen, den Differenzbetrag zum vermeintlich normalen Marktpreis einzubehalten, bis er im Mai endgültig über einen Strafzoll entscheiden wird.

3. Wie reagiert die Bundesregierung auf die Vorwürfe der Amerikaner?

Genervt und gelassen. Verbal rüsten Außenminister Sigmar Gabriel und nun auch Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries auf, warnen vor der Verletzung von internationalem Handelsrecht und drohen mit Klagen. Der ZEIT sagte Zypries, Abschottung sei das falsche Mittel und schade auch der amerikanischen Wirtschaft. Das werde sie "deutlich machen", wenn sie im Mai in die USA reise.

Tatsächlich aber werden sich die Deutschen gedulden müssen. Aus einem einfachen Grund: Anders als Trump will die Bundesregierung auf keinen Fall gegen die europäischen und internationalen Handelsregeln verstoßen. Das aber bedeutet: Allein kann die Bundesregierung gar nichts gegen mögliche Strafzölle tun, über jede Maßnahme wird in Brüssel entschieden. Denn für Handelspolitik ist die EU-Kommission zuständig.