Wirtschaftspolitisch spielt die EU in der ersten Liga, strategisch in der dritten. Sie ist nicht einmal mental gerüstet, wie ihr Präsident Juncker nach dem US-Angriff auf Assads Giftgas-Luftwaffe zeigt. Die "Spirale der Gewalt" möge doch bitte beendet werden; Konflikte ließen sich nur im "politischen Prozess" lösen.

Tausendfach gehört, zeugt dieses Mantra von moralischer Verwirrung. Es setzt das Verbrechen mit der Sühne gleich und suggeriert: Die Schandtat hinzunehmen ist besser, als mit der Bestrafung an der "Spirale" zu drehen. Dass Assad so ermuntert würde, den nächsten Sarin-Angriff zu fliegen, hat in der absurden Logik keinen Platz. Ebenso töricht ist der Glaubenssatz, dass Gewalt keine politischen Probleme löse. Der Diktator ist gerade dabei, sein Problem – die Entmachtung – mit uferloser Brutalität sowie der Hilfe russischer und iranischer Waffen zu lösen. Auch der IS wird nicht am Verhandlungstisch gezähmt.

Eine echte Großmacht kann sich hinter solchen Sprüchen nicht verschanzen, wie die Lehrlingsausbildung des Donald Trump zeigt. Nach achtzig Tagen im Amt hat er sich gleich dreimal gedreht. Erstens hat er den Chefideologen Steve Bannon, der ihm Russophilie und Isolationismus eingeflüstert hatte, aus dem Führungszirkel des Nationalen Sicherheitsrates geworfen; jetzt haben die kühlen strategischen Köpfe das Wort.

Zweitens hat Trump all die Parolen entsorgt, die sich auf diesen einzigen Satz reduzieren lassen: "We should stay the hell out of Syria" – zum Teufel mit Syrien! Mit entsorgt wurde die Selbsteindämmungspolitik Barack Obamas, der nicht nur seine "rote Linie" aufgegeben, sondern auch Assads Chlorgas-Attacken danach ignoriert hatte. Drittens bestätigen die Marschflugkörper das Ende der Putin/Trump-Romanze, die zumal den Europäern den Schlaf geraubt hatte.

Hat Trump wieder den Trump gegeben, den plan- und haltlosen Joker der Weltpolitik? Offenbar hat er auf seine erfahrenen Generale – James Mattis im Pentagon, Herbert McMaster im Weißen Haus – gehört: Handle sofort, aber umsichtig und solange die weltweite Empörung anhält. Nicht direkt Assad, den Kreml-Schützling, attackieren – und schon gar nicht die Russen, die rechtzeitig gewarnt wurden. Aber eine hübsche Zwickmühle hat Washington aufgemacht: Entweder Moskau hält sich an seine Verpflichtung, Assad die C-Waffen zu nehmen, oder es beweist, die Kontrolle über sein Mündel verloren zu haben.

Ist das schon eine Strategie? Allenfalls einen Entwurf lässt Trumps Gesellenstück ahnen. Assad, der sich auf der Siegerstraße wähnte, ist gewarnt. Putin, der Nahost mit der Hilfe des Irans aufzurollen gedachte, sieht nun Amerika wieder in der Arena, die Obama verlassen hatte. Trumps Position daheim ist gefestigt. Selbst der Oppositionschef im Senat applaudiert: Eine "gute Sache" sei es, dass Assad nun den "Preis für seine Gräueltaten" kenne.

Das Problem? "Ich bin voll fähig", doziert Trump, "mich in alles zu verwandeln, was ich will." Gerade hat er sich dreifach gehäutet und gezeigt, dass er Außen- und Militärpolitik doch kann. Ehrt er weiter das Handwerk, könnte er eine Friedenskonferenz organisieren, deren Vorläufer ohne amerikanischen Einsatz nicht funktioniert haben – und es auch nicht konnten. Diese Verheißung gilt bis zum nächsten Twitter-Sturm.