Die Welt ist voller Sorgen. Gerade hat man in Berlin ausgerechnet, was der Brexit für das hauptstädtische Sozialleben, insbesondere für die sogenannten Stadtteilmütter, bedeutet, und da musste man leider feststellen: nichts Gutes. Für die Stadtteilmütter wird es sogar ausgesprochen finster aussehen, wenn Großbritannien die EU verlassen hat. Es ist gar nicht nötig, im Einzelnen zu erörtern, worin der Segen dieser Stadtteilmütter besteht (und welcher Stadtteil hätte nicht gerne eine Mutter), es genügt die Feststellung, dass es sich dabei um ein Projekt handelt, das aus EU-Mitteln finanziert wird, solange die betreffende Stadt ein gewisses Maß an Bedürftigkeit aufweist. Um die Bedürftigkeit Berlins steht es aber nicht mehr so gut beziehungsweise schlecht, wenn London aus der EU-Statistik herausfällt, anders gesagt: Berlin stellt sich plötzlich im europäischen Großstadtvergleich viel wohlhabender dar. Es braucht gar keine Mütter mehr! Es kann auf eigenen Füßen stehen. Wer je die seelischen Schwierigkeiten Heranwachsender beobachtet hat, auf elterliche Zuwendung zu verzichten, wird den Schmerz Berlins ermessen können. Die Stadt könnte sich aber trösten, wenn sie auch einmal auf die Nöte Hamburgs blicken würde. Dort hat man gerade entdeckt, dass die Elbphilharmonie, kaum dass die Sorge um ihre Fertigstellung ausgestanden ist, einerseits zu wenig Toiletten, andererseits zu viele Stufen hat. Die älteren Mitbürger, die nun einmal das Gros der Konzertbesucher stellen, finden erstens nicht genügend Erleichterungsmöglichkeiten für ihre schwache Blase, zweitens nicht genügend Geländer beim Treppensteigen. Dazu muss man wissen, dass es in der Elbphilharmonie steil wie auf einem Moselweinberg zugeht, die Altchen also schwer ins Purzeln kommen können. Logische Konsequenz: Hamburg braucht dringend Elbphilharmoniemütter, die sich in der Seniorenbetreuung auskennen. Andernfalls müsste sich die Stadt zum bittersten aller Beschlüsse durchringen: zum barrierefreien Ausbau des Konzerthauses, also eigentlich zum kompletten Rückbau. Schluss mit der himmelhochstrebenden Geste! Alles wird auf eine Ebene zurückverlagert, am besten auf eine schiefe, auf der die Rollstühle von alleine rollen. Vielleicht wird angesichts einer solchen Notlage die EU einsehen, dass die Mütter, die sie in Berlin nicht mehr bezahlen will, doch immerhin für Hamburg finanziert werden müssen, und sei es aus dem Kulturfonds. Stadtkulturmütter dieser Erde, hört die SOS! Hamburg, das Tor zur Welt, öffnet sich für jede Nurse.