Wenn sich alle einig sind, ist oft etwas faul. Im Rathaus waren sich gerade alle sehr einig, als die Fraktionsschefs von SPD und Grünen gemeinsam mit den Bürgerinitiativen der Unterkunftskritiker die Formel vorstellten, nach der künftig Hamburgs Flüchtlinge auf die Stadt verteilt werden sollen. Von "bestmöglicher Integration" war die Rede und von "Gerechtigkeit". Nur die entscheidende Frage beantwortete leider niemand: Wie genau soll das eigentlich funktionieren?

Es war eine Pseudolösung, die da präsentiert wurde, eine Zauberformel, nach der Flüchtlinge "fair" übers Stadtgebiet verteilt werden sollen. Das Prinzip: Die Planer teilen die Stadt in 941 sogenannte statistische Gebiete ein. Für diese wird geklärt: Wie groß ist die Fläche, wie viele Einwohner leben dort, wie lässt sich ihr sozialer Status einschätzen, wie gut ist die Infrastruktur? Am Ende errechnet sich ein Wert, der anzeigt, wie viele Flüchtlinge in das jeweilige Gebiet passen.

Im Bezirk Bergedorf leben nach dieser Berechnung zurzeit 2.138 Flüchtlinge zu viel, in Eimsbüttel 2.041 Flüchtlinge zu wenig. Das ändere sich noch, wenn alle geplanten Unterkünfte "am Netz" seien, hieß es im Rathaus. Auf den ersten Blick hat das Land nun eine präzise Antwort auf eine umstrittene Frage gefunden.

Es gibt allerdings ein Problem: Verteilen kann nur, wer Platz hat. Wer keine Orte findet, an denen sich Flüchtlinge unterbringen lassen, mag über noch so präzise Zahlen verfügen, sie bringen nichts.

Wie dünn gesät Flächen für Flüchtlingsunterkünfte sind, zeigte zuletzt das Projekt Finding Places, das die Stadt in Kooperation mit der HafenCity Universität entwickelt hat. Bürger sollten Flächen zur Flüchtlingsunterbringung ermitteln. Die Initiativen der Unterkunftsgegner, die sich nun mit SPD und Grünen auf gemeinsame Verteilungsprinzipien verständigen konnten, haben sich damals an dieser Suche beteiligt. Geholfen hat es nichts. Wochenlang drückten die Bürger auf blinkenden Tasten herum, am Ende wurden nur einige wenige Flächen gefunden; ein einziges Areal soll genutzt werden.

Wo also sollen die Flächen für die in Zukunft zu errichtenden Unterkünfte herkommen? Auch die schlaueste Formel schafft es nicht, Platz zu errechnen, den es nicht gibt.

Da hilft auch nicht, dass die Opposition nun ruft: Warum nicht gleich so eine Formel? Zur Erinnerung: Als der Konflikt zwischen Land und den Initiativen der Unterkunftsgegner ausbrach, kamen täglich bis zu 700 Flüchtlinge in die Stadt, so viele erreichen Hamburg inzwischen in einem Monat nicht. Dass die meisten Neuankömmlinge nicht mehr in Provisorien leben, verdanken sie der Hartnäckigkeit des Senats in den damaligen Konflikten um die Unterkünfte. Und sollte die nächste Flüchtlingskrise über Europa hereinbrechen, wird die Stadt wieder da stehen, wo sie 2015 und 2016 schon einmal stand: Sie muss schnell Platz schaffen.

Nice to have , könnte man daher zum Verteilungsschlüssel sagen, ein nettes Instrument. Helfen wird es kaum.