Vor ein paar Wochen war ich mit meiner Familie in London, mit dem Neunjährigen lief das super, plötzlich schien wieder alles zu gehen, wir waren ganz verliebt ineinander und in diese Stadt. Drei Tage später fuhr jemand mit einem Geländewagen in die Fußgänger auf der Westminster Bridge, danach erstach er einen Polizisten. Als mein Sohn und ich abends die Nachricht hörten, war der Schrecken noch mal ein ordentliches Stück näher gerückt, und das Kind sagte: "Ich hab Angst vor Terroristen."

Zuerst antwortete ich mit der Standardansage, die ich mir selbst in Fällen von Terrorangst immer gebe: "Genau das wollen diese Idioten, dass wir Angst vor ihnen haben. Aber den Gefallen tun wir ihnen nicht."

Die Augen meines Sohnes füllten sich mit Tränen.

"Ich hab aber trotzdem Angst."

Also nahm ich ihn in den Arm und versuchte, ihn mit dem üblichen Elternargument zu beruhigen: "Hab keine Angst, hier in Hamburg gibt’s keine Terroristen."

Er sah mich an, als hätte ich was nicht mitgekriegt.

"Aber im Sommer kommt doch Donald Trump!"

Mir war in dem Moment nicht klar, ob er vor, um oder ganz generell wegen Trump Angst hatte, aber mir war auf einen Schlag klar, dass ich erschöpft bin von dieser Welt. Über so was reden also die Kinder in unserer Stadt: über Terroristen und Donald Trump.

Lieber Bürgermeister, liebe Senatoren, liebe Bürgerschaftsabgeordnete, was denken Sie, wenn Sie das hören? Denken Sie nicht auch, dass es ein Wahnsinn ist, einen G20-Gipfel mitten in einer Großstadt zu veranstalten und damit die zurzeit sowieso schon akute Terrorgefahr für knapp zwei Millionen Menschen kurzerhand noch etwas zu steigern? Wie sehen Sie das, wenn Sie abends zu Hause auf der Couch sitzen? Kennen Sie irgendjemanden, also persönlich, meine ich, der so richtig Lust auf den G20-Gipfel hat? Würden Sie da nicht auch am liebsten in Deckung gehen? Decke übern Kopf? Vielleicht sogar einfach verschwinden? Und wie konnte das überhaupt so weit kommen?

Einfach abzuhauen ist nicht okay – es ist verlogen und unfair

Klar ist, dass Menschen mit Problemen sich treffen und miteinander reden müssen. Insofern ist die Idee grundsätzlich gut. Dass die ganze Welt Bilder davon sehen soll und will, gehört wohl dazu. Ob diese Bilder mitten aus einer Metropole kommen müssen, ist Geschmackssache, freie und eitle Stadt Hamburg, wobei man das Wort "frei" während der Gipfeltage getrost vergessen kann.

Die Hamburger werden Anfang Juli starke Nerven brauchen. Rund ums Schanzenviertel tobt die Mutter aller Straßenschlachten zwischen Polizei und linker Szene, mit Tränengas und Wurfgeschossen, der Himmel darüber wird schwarz vor Hubschraubern sein. Donnerstag. Freitag. Samstag. Sonntag. Am Tag und in der Nacht. So was macht müde und gereizt. Wer im Karoviertel wohnt, wird doppelt müde und gereizt sein, weil dieses Wohngebiet zu einer Hochsicherheitszone umgebaut werden muss.

Wer wiederum ein bekloppter Vollpfosten ist und jede Nacht vor hasserfüllten YouTube-Videos sitzt, ist vielleicht nicht besonders klug, aber sicher klug genug, um zu begreifen, dass diese Tage im Juli wie gemacht sind für eine Aktion, weil die Aufmerksamkeit gigantisch sein wird. Ob die Aktion dann eine Machete oder eine Bombe ist, hängt vom jeweiligen Vollpfosten ab.