Manchmal treffe ich den Ressortleiter auf dem Spielplatz. Wir wohnen im selben Viertel, die Kinder sind ähnlich alt. Da stehen wir dann am Rande des Sandkastens, zwei Männer Mitte 30, der eine in Lederschuhen und Jackett, der andere in Bomberjacke und Turnschuhen. Der andere bin natürlich ich. Wir halten Apfelschnitze in der Hand und reden über die großen Fragen des Journalismus. Was ist wichtig? Was ist interessant? Unser Anblick sagt viel über mich und mein Verständnis von Arbeit. Ich will mitspielen dürfen, ja. Aber Mitglied werden?

Mir gefällt mein Arbeitsleben als hired gun. Ich kenne die Tricks, die guten Wasserlöcher, ich weiß, wie man durch einen kalten Winter und wie man durch die Wüste kommt. Wenn es mir zu eng wird, breche ich meine Zelte einfach ab. Ich mag das. Die Prärie.

Aber ich habe mich immer gefragt, was man aufgibt, wenn man die Freiheit nicht aufgibt. Und immer wenn ich mit dem Ressortleiter spreche, denke ich: Wäre es nicht langsam Zeit, sesshaft und seriös zu werden? In die Institutionen reinzugehen, Positionen zu beanspruchen? Will ich das? Die Sonne geht langsam unter.

Gestern war ich mit einem Chefredakteur spazieren. Kaffee to go, zweimal um den Block. Am Ende die Frage: Ganz grundsätzlich, könntest du dir vorstellen, bei uns zu arbeiten? Klar, habe ich gesagt, klar kann ich mir das vorstellen. Und sah mich frühmorgens auf dem Fahrrad, innerlich noch im Tiefschlaf, hektisch an jeder roten Ampel, um wenigstens nur sieben Minuten zu spät zur Konferenz zu kommen. Besprechungen, in denen alles gesagt ist.

Auf dem Spielplatz rennen drei Mädchen die Skateboardrampe hoch und runter. Wenn sie hinfallen, stehen sie auf. Hoch und runter. Die Sonne ist jetzt weg. Zeit, zu gehen. Aber ich will noch nicht rein.