Das Schild war eine Provokation. Sechzehn Jahre lang verstörte eine merkwürdige Aufschrift die Autofahrer, die in Tirol ihr Fahrzeug über die Autobahnauffahrt Kufstein Nord auf die A 12 lenkten. Große, neonpinke Lettern forderten: "Grüß Göttin". "Ich wurde streng katholisch erzogen", erläuterte die Künstlerin Ursula Beiler ihre Installation: "Aber schon im Kindesalter begann ich mich gegen die von einem Männersystem ausgedachte Vergötterung der Männlichkeit aufzulehnen."

Die Vorstellung, der Herrgott könnte möglicherweise eine Fraugott sein, erregte im österreichischen Herrgottswinkel erwartungsgemäß die Gemüter. Das ketzerische Schild wurde immer wieder malträtiert, beschmiert, übersprüht, musste mehrmals erneuert werden. Vor einem Jahr verschwand die Tafel des Anstoßes schließlich endgültig aus dem Straßenbild.

In dieser Osterwoche kehrt die Aufforderung, eine stereotype Geschlechterzuordnung infrage zu stellen, in Hohenems in die Öffentlichkeit zurück. Vor dem Jüdischen Museum in der ehemaligen Villa Rosenthal soll die fünf Meter lange Tafel auf eine neue Ausstellung aufmerksam machen, in der nach der "weiblichen Seite Gottes" Ausschau gehalten wird. Während in Judentum und Islam aufgrund des Abbildungsverbots keine bildliche Vorstellung der Gottesfigur existiert, gipfelt die christliche Ikonografie im Schöpfungsfresko des Michelangelo Buonarroti in der Sixtinischen Kapelle des Vatikans: ein weißhaariger, rauschebärtiger Patriarch, der mit der Berührung seines Fingers sein jugendliches Ebenbild beseelt. Mit dogmatischer Kraft hat sich diese Perspektive in den Jahrtausenden verselbstständigt. Milliarden Gläubige beten heute eine Vatergottheit an, die als Himmelsherrscher über ihre Schöpfung gebietet. In der Lebenspraxis leitet sich von dieser Auffassung die soziale Hierarchie der Geschlechter ab. In allen drei abrahamitischen Religionen spielen Frauen lediglich eine untergeordnete Rolle. Der Dienst am Herrn bleibt den Männern vorbehalten. Das Patriarchat wird als gottgewollte Selbstverständlichkeit angesehen, ein Prinzip, das sich über die Jahrhunderte tief in die unterschiedlichen gesellschaftlichen Systeme eingeschrieben hat. Wo es mitunter durchbrochen wurde, klagten die Glaubenshüter unverzüglich einen unheilbringenden Frevel an. Aus dieser monotheistischen Sicht wäre es geradezu eine Sünde wider die Natur, die Geschlechterrollen auszutauschen.

Wenn man das Weibliche ausschließt, was schließt man dann noch alles aus?

In der sehr kompakten Schau in Hohenems gehen die beiden Kuratorinnen Felicitas Heimann-Jelinek und Michaela Feuerstein-Prasser nun der keineswegs nur semantischen Frage nach, wie es überhaupt dazu kommen konnte, dass in den drei großen monotheistischen Religionen das Gottesbild ausschließlich männlich imaginiert wurde. Auf ihrer "Spurensuche" fahnden die beiden Gestalterinnen nach vergessenen, verdrängten oder marginalisierten Aspekten göttlicher Weiblichkeit. Mit Feminismus habe sie "eigentlich nichts am Hut", beteuert Heimann-Jelinek, doch sie möchte in ihrer Ausstellung eine prinzipielle Frage stellen: "Wenn man das Weibliche ausschließt, was schließt man dann alles noch aus?" Alle Elemente, meint sie, welche die normierende Gesellschaft bedrohten. Die Zweifel am Glaubenspatriarchat wären somit in der Lage, die Weltordnung insgesamt infrage zu stellen.

Wie problematisch es ist, von einem maskulinen Weltenherrscher auszugehen, ergibt sich jedoch aus den heiligen Schriften der Religionen selbst, die als Gründungstexte der Glaubenspraxis gelten. "Wie kann ein einziger Gott als männlicher Gott beschrieben werden", fragt Hanno Loewy, der Direktor des Hohenemser Museums, "und sich selbst zugleich als männlich und weiblich betrachten, bildlos sein und sich selbst als Abbild neu erschaffen?" Darin liege der "Grundwiderspruch der abrahamitischen Religionen und damit der monotheistischen Zivilisation".

Als Ausgangspunkt dient der Ausstellung die biblische Schöpfungserzählung. Schon im ersten Kapitel der Genesis wird berichtet, wie der Mensch in die Welt kam. "Dann sprach Gott: Lasst uns Menschen machen als unser Abbild, uns ähnlich ... Gott schuf also den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie." Ein Kapitel später liest sich die Geschichte ein wenig anders: Nun ist Adam, der erste Mensch, ein einsamer Bewohner des Gartens Eden, und der Schöpfer muss erkennen: "Es ist nicht gut, dass der Mensch alleine bleibt. Ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm entspricht." So entsteht aus Adams Rippe Eva, die erste Frau.

Dieser offensichtliche Widerspruch innerhalb weniger Verse in einer Schrift, die ja geradewegs vom höchsten Wesen kommt und daher nicht angezweifelt werden kann, stellte insbesondere die jüdischen Gelehrten vor ein Problem. Wie sollten sie den Gegensatz auflösen? Endlich kamen die Rabbiner, die es gewohnt sind, jedes Wort ihrer heiligen Schrift aus jeder erdenklichen Perspektive zu erwägen, in mehreren Bibelauslegungen, sogenannten Midraschim, in der ersten Hälfte des 1. Jahrtausends zu einem verblüffenden Erklärungsmodell. Demzufolge sei vor der Eva aus Adams Rippe eine erste Eva gemeinsam mit Adam erschaffen worden, die sich aber geweigert habe, sich unterzuordnen und sexuell zu Diensten zu sein. Im Rahmen dieser paradiesischen Beziehungskiste habe Eva Prima den denkbar schlimmsten Frevel begangen: Sie habe den Gottesnamen ausgesprochen und damit das ultimative Verbot gebrochen. Bis heute ist es ja frommen Juden weder in Wort noch Schrift gestattet, den Namen Jahwe auszusprechen; stattdessen ist von "Adonai" (mein Herr) oder "HaSchem" die Rede, was simpel "der Name" bedeutet.

Der Tabubruch im Paradies sei so gravierend gewesen, dass die Widerspenstige zu einer Dämonin transformiert wurde, die aus dem Garten Eden flog. Aus Mitleid mit seinem verlassenen Geschöpf habe Gott daraufhin für Ersatz gesorgt – diesmal aber ausdrücklich als "Hilfe", was eine Rangordnung zwischen den beiden Geschlechtern impliziert. Die Metamorphose von Ur-Eva zu einer Dämonengestalt, in der manche Schriften die Spiegelung einer sumerischen Gottheit namens Lilith zu erkennen glauben, ist stark sexuell aufgeladen. Ihr entspringt die Fantasie von den unwiderstehlichen weiblichen Verführungskünsten, gegen die sich fromme Gläubige bis zum heutigen Tage durch intensive Religionspraxis zu wappnen haben. Die Legenden berichten, Lilith, die Dämonin, sei einst ermächtigt worden, Neugeborene während ihrer ersten Lebenstage in Versuchung zu führen (worunter vermutlich zu verstehen ist, sie könne eine lebenslange unstillbare sexuelle Begierde in den Säuglingen erwecken) – es sei denn, sie wären von einem speziellen Amulett geschützt, das zu verfassen es allerdings eines besonderen Geheimwissens bedürfe. Der moderne Feminismus glaubt, in dieser resoluten Dame eine Schutzpatronin gefunden zu haben.