Liverpool stand schon lange auf meiner Rechnung. Als ich schließlich in der Stadt am River Mersey ankomme, ist Derbytag. Everton spielt zum 228. Mal gegen Liverpool. Der Versuch, eine Karte zu ergattern, ist gescheitert. Die Partie ist seit Wochen ausverkauft. Ich mache mich trotzdem auf den Weg. Danielle McNally, Chefin über Jürgen Klopps Terminkalender, hatte mir mitgeteilt, ihr Boss sei zum Gespräch im Melwood Training Ground bereit. Außerdem sei der Besuch des Spiels gegen Bournemouth im Stadion an der Anfield Road gesichert.

"Klopp ist ein guter Kapitän", sagt der Fahrer, der mich zum Melwood Training Ground des FC Liverpool bringt. Er traut dem Team zu, dass es auch schwierige Situationen meistern könne. Wie im Januar. Vier Spiele hintereinander gingen verloren, die Saison schien ruiniert. Aber: "He settled his ship." Er sei jetzt wieder gut im Rennen. "Wir stammen von Seefahrern ab. Wir mögen Menschen, die sich in hartem Wind und schwerer See behaupten."

Mir gefällt die bildhafte, maritime Sprache in dieser Hafenstadt Liverpool. Ich komme zu früh am Trainingsgelände an. Als Erstes entdecke ich die wall of fame, wer hier als Trainer anfängt, scheint einen überdurchschnittlich starken Willen zu besitzen. Fünfmal Gewinn der Champions League, dreimal Sieg im Uefa-Pokal, 18 nationale Meisterschaften, acht nationale Pokalerfolge.

Dazu Legenden wie Bill Shankley, Bob Paisley und Kenneth Dalglish als verehrte Trainer-Vorgänger. Nach ihnen trat Flaute ein. Um das zu ändern, wurde Jürgen Klopp angeheuert.

Er weiß, was von ihm erwartet wird. Am Anfang dieser Saison sah es so aus, als ob er gleich liefern könnte. Die Reds von Liverpool, wie sie wegen ihrer leuchtend roten Trikots genannt werden, waren auf dem Sprung an die Spitze. Doch dann begann eine rätselhafte Serie von Niederlagen. Mit Leidenschaft brachte Klopp sein Team wieder auf Kurs. Es sieht zurzeit gut aus mit Liverpools Rückkehr in die Champions League. Die Mannschaft belegt den dritten Tabellenplatz.

Danielle McNally lässt mich nicht die ganze Stunde absitzen, die ich zu früh gekommen bin. Sie führt mich rasch in das geräumige Arbeitszimmer des First-Team-Managers, der zuvor mit einem Mitarbeiter konferiert hatte. Es war Steven Gerrard, als Spieler eine Clublegende, jetzt Nachwuchstrainer beim FC Liverpool. Obwohl üppig dimensioniert, wirkt Klopps Dienstzimmer einladend; rechteckig in der Form, möbliert in geschmackvollen Beige- und Brauntönen, mit dem Schreibtisch am Ende in einer Glaskanzel, die wie eine Kapitänsbrücke in das Trainingsgelände hineinragt.

Was ist der Unterschied zu seinem Job bei Borussia Dortmund? Der sei beträchtlich. Beim BVB sei er nur Trainer gewesen. In Liverpool ist er als Trainer und Manager in einer Person zuständig für den Sportbetrieb, die Budgetplanung, Spielertransfers, Öffentlichkeitsarbeit und Marketing. 80 Frauen und Männer sind in seinem Stab tätig, dazu kommen die 25 Spieler.

Wie ist ihm der Wechsel nach England bekommen? "Gut, auch meine Frau fühlt sich wohl. Wir wohnen direkt an der Irish Sea. Sehr schön. Etwa 20 Kilometer von Liverpool City entfernt. Die Menschen dort sind Prominenz gewohnt. Der Umgang mit meinesgleichen ist souverän und angenehm."