Die Mittelmeerinsel Malta ist das kleinste Land in der EU. Gerade mal 450.000 Menschen leben hier, das sind weniger als in Duisburg. Als Markt ist Malta für Unternehmen deshalb quasi bedeutungslos. Trotzdem findet man auf der Insel erstaunlich viele Tochterfirmen deutscher Konzerne, etwa des Chemieriesen BASF oder der Autovermietung Sixt. Der Grund dafür dürfte sein, das Malta eine Steueroase ist. Wer seine Gewinne hierhin verlagert, profitiert von Billigsteuersätzen unter zehn Prozent.

Seit Anfang des Jahres ist Malta aber auch so etwas wie der Klassensprecher Europas. Das Land hat die EU-Ratspräsidentschaft übernommen. Von Anfang an lautete die spannende Frage: Was bedeutet das für den Kampf der EU gegen Steueroasen?

Am vergangenen Wochenende, beim Treffen der EU-Finanzminister, legte die maltesische Ratspräsidentschaft nun ein Arbeitspapier vor. Tenor: Man solle es mit dem Kampf gegen die Steuertricks der Unternehmen nicht übertreiben. Vor allem dürfe man nicht zu schnell vorgehen. Malta empfiehlt: einen Gang runterschalten.

Als Bremser wollte der maltesische Finanzminister Edward Scicluna dennoch nicht dastehen. Nein, darum gehe es doch gar nicht, belehrte er seine Kritiker. Er wolle doch nur, dass Unternehmen verlässlich planen könnten und sich nicht ständig mit neuen Steuergesetzen herumschlagen müssten. Ansonsten nämlich, und jetzt kommt die große Keule, sei die Wettbewerbsfähigkeit der gesamten EU gefährdet. Die Steueroase Malta sorgt sich also plötzlich um das Gemeinwohl. So klingt es zumindest bei Scicluna.

Das ist natürlich Unfug. Aber es zeigt, mit welch perfiden Mitteln Steueroasen um ihre Privilegien kämpfen, auch innerhalb der EU. Offiziell haben sich Länder wie Malta zwar dem Kampf gegen die Steuertricks der Konzerne angeschlossen. Tatsächlich aber versuchen sie echte Veränderungen auszubremsen, und das möglichst geräuschlos. So, dass die meisten Menschen es gar nicht bemerken.

Die Rolle der Öffentlichkeit nämlich ist kaum zu überschätzen. Steueroasen gibt es schon lange. Doch erst seitdem Whistleblower große Datenpakete an Journalisten weitergegeben und damit das Ausmaß der Geschäfte auf Kosten der Steuerzahler publik gemacht haben, ist der Druck auf die Politik so groß, dass sie handelt. Die Offshore-Leaks (2013), Luxemburg-Leaks (2014), Swiss-Leaks (2015) und die Panama Papers (2016) haben ein Klima geschaffen, in dem Steueroasen nicht mehr toleriert werden können. Das ist gut so. Und es ist kein Zufall, dass die OECD ihre beiden größten Abkommen für mehr Steuergerechtigkeit in diesen Jahren durchsetzen konnte.