Christian Wulff

Eure Heiligkeit, als Priester, herausragender Theologe, Bischof, Kardinal und schließlich als Papst haben Sie den christlichen Glauben in unserem Land und in der Welt gestärkt. Sie haben wichtige Zeichen für mehr Menschlichkeit gesetzt. Das Fundament unserer offenen Gesellschaft – die Achtung der Menschenwürde, Menschenrechte und das Wissen um die Selbstverantwortung des Einzelnen – führen Sie auf das Christentum zurück. Daran haben Sie uns eindrucksvoll bei Ihrer Deutschlandreise 2011 erinnert. Zu Glauben und Vernunft haben Sie Wichtiges formuliert.

Ich denke gerne an Ihren Besuch, unsere Begegnungen und Gespräche schon zuvor in Rom zurück. Wir haben über die Herausforderungen gesprochen, denen die katholische Kirche in Deutschland gegenübersteht; einem Land, das durch das Christentum geprägt ist, in dem sich der christliche Glaube aber nicht mehr von selbst versteht. Wie kann die Kirche trotz Priestermangels nahe bei den Menschen bleiben? Wie kann sie gläubigen Christen nahe bleiben, deren Lebenswandel sich mit der Zeit ändert? Wie kann sie Menschen zum Glauben führen, die der Kirche fernstehen? Ich bin dankbar, dass ich einen kleinen persönlichen Einblick in ihren tiefen theologischen Wissensschatz bekommen durfte. Zu Ihrem 90. Geburtstag sende ich Ihnen herzliche Glückwünsche. Ihr Heimatland ist Ihnen dankbar für Ihr eindrucksvolles Wirken.

Christian Wulff (CDU) war von 2003 bis 2010 Ministerpräsident in Niedersachsen und von 2010 bis 2012 Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland.

Leonardo Boff

Zu seinen 90 Jahren wünsche ich ihm noch Gesundheit, Klarheit des Geistes, dass er stets ein Zeugnis der Treue, des Dienstes an der Kirche und an der Menschheit ist. Er ist stets ehrlich, und deswegen schätze ich ihn. Ich hoffe, dass er weiter Papst Franziskus unterstützt, wie er es immer getan hat. Wenn ich ihn noch einmal treffe, dann möchte ich Kardinal Ratzinger/Papst Benedikt XVI. umarmen, um eine Art Versöhnung zu erreichen. Ich wünsche ihm, dass er weiterlebt und -denkt, um weiterhin ein Zeugnis des Glaubens abzugeben. (KNA)

Leonardo Boff ist einer der wichtigsten Vertreter der Befreiungstheologie. Benedikt XVI. sah die Befreiungstheologie stets kritisch.

Uta Ranke-Heinemann

Ratzinger und ich haben beide gleichzeitig in katholischer Theologie in München promoviert. Damals musste man seine Doktorarbeiten in Thesenform abfassen – auf Latein. Also habe ich mir eine jungen, intelligenten Kommilitonen gesucht, der mich unterstützt und gerade selber promovierte: Joseph Ratzinger. Stundenlang saßen wir spätnachmittags in der Universität München zusammen in einem der großen Säle. Damals habe ich ihn schätzen gelernt. Er war der klügste Student an der Universität damals. Wir haben uns nie aus den Augen verloren. Doch als Ratzinger dann als Papst für sich beanspruchte, unfehlbar zu sein, ist unsere Verbindung zerbrochen. Wir haben uns keine Briefe geschrieben. Wir waren nicht mehr befreundet. Aber an die Spätnachmittage, die wir gemeinsam verbrachten, denke ich immer noch gerne.

Uta Ranke-Heinemann ist die erste Professorin für katholische Theologie. Wegen ihrer kritischen Schriften wurde ihr 1987 die Lehrerlaubnis entzogen.

Ulla Hahn

Ein Theologe, der Kunst, Dichtung, Musik und Natur nicht liebt, kann gefährlich sein. Diese Blindheit und Taubheit dem Schönen gegenüber sind nicht etwas Nebensächliches, sie spiegeln sich notwendigerweise auch in seiner Theologie wider." (Joseph Kardinal Ratzinger, Zur Lage des Glaubens, 1984) Mein Haiku für einen, der nie taub und blind gewesen ist, gibt Antwort und dankt:

freiheit und wahrheit
sprechen der schönheit gebet
in demut und mut

Ulla Hahn ist eine der wichtigsten deutschsprachigen Schriftstellerinnen.

Hans Joas

Seit Jahrzehnten habe ich Ihren Weg aus bescheidenen bayerischen Verhältnissen zur Stellung eines weltweit anerkannten Theologen, führenden Kirchenmanns und eleganten Schriftstellers mit großer innerer Anteilnahme und Bewunderung verfolgt. Die Frage, die ich verbunden mit herzlichsten Glückwünschen zu Ihrem Geburtstag gerne stellen würde, betrifft das Verhältnis von Kontinuität und Diskontinuität in Ihrer intellektuell-politischen Entwicklung. Manche sprechen davon, Sie seien einer der von 1968 geschädigten deutschen Universitätsprofessoren, für die dieses wilde Jahr Anlass zu fundamentaler Umorientierung gab. Ihre eigenen Äußerungen scheinen das zu bestätigen, wenn Sie etwa in Ihrer Autobiografie davon sprechen, Sie hätten "das grausame Antlitz dieser atheistischen Frömmigkeit unverhüllt gesehen, den Psycho-Terror, die Hemmungslosigkeit, mit der man jede moralische Überlegung als bürgerlichen Rest preisgeben konnte, wo es um das ideologische Ziel ging". Andere bestreiten, dass es eine Kehrtwende in Ihrer Entwicklung überhaupt gegeben habe.

Wie sehen Sie selbst heute diese Zusammenhänge? Ich ziele mit dieser Frage nicht auf Ihre Sicht der Ereignisse von damals, deren traumatisierende Wirkung auf Sie ich gut nachvollziehen kann, sondern auf Ihre rückblickende Einschätzung, ob es damals einen Umbruch in Ihrer Orientierung gab und wie Sie diesen, wenn es ihn denn gab, im Abstand eines halben Jahrhunderts einschätzen.

Der Sozialphilosoph Hans Joas ist Honorarprofessor an der Theologischen Fakultät der Humboldt- Universität Berlin.

Edmund Stoiber

Lieber Papst Benedikt, Ihre bayerische Heimat begeht mit Dankbarkeit und Freude Ihren 90. Geburtstag. Sie haben Bayern und mich persönlich geprägt wie kaum ein anderer. Mit Ihrer hohen moralischen Autorität und überragenden intellektuellen Kraft haben Sie enorm viel für den Zusammenhalt in der katholischen Welt geleistet. Ich wünsche Ihnen noch viele Jahre bei guter Gesundheit!

Edmund Stoiber (CSU) war von 1993 bis 2007 bayerischer Ministerpräsident.