Chili brennt wie Feuer – das ist nicht nur im übertragenen Sinne zu verstehen. "Scharf" ist kein Geschmack, sondern Schmerz. Ausgelöst wird er durch den Stoff Capsaicin, der in Chilischoten enthalten ist. Er heftet sich an die Schmerzrezeptoren im Mund, aber auch auf der Haut oder in den Augen, die sonst auf Hitze ansprechen. Das Signal erreicht das Gehirn, und das meldet "Feuer!", obwohl die Temperatur im Mund sich nicht verändert hat.

Es entsteht aber keine echte Verbrennung der Haut, die Zellen bleiben unversehrt. Aber die körpereigene Feuerwehr rückt aus. Ärzte bezeichnen das als "neurogene Entzündung": Die Gefäße weiten sich, es fließt mehr Blut an die entsprechende Stelle, die Haut wird rot. Durch einen Schweißausbruch versucht der Körper sich Kühlung zu verschaffen, obwohl es gar nicht wärmer geworden ist. Und wenn das Capsaicin den Magen erreicht und dort die Schmerzrezeptoren reizt, gibt unser Verdauungstrakt oft das Kommando aus: Egal was das ist – sofort raus damit!

Je schärfer eine Chilischote auf der sogenannten Scoville-Skala ist, desto heftiger fällt die Reaktion aus. Normale Jalapeños erreichen dort den Wert 8.000, die berüchtigte Chilisorte Carolina Reaper kommt auf über zwei Millionen. Da wird der Genuss zur Mutprobe: Die Menschen reagieren mit Schluckauf, Herzrasen und Hyperventilation.

Das alles ist für den Moment sehr quälend. Und die Tortur kann sich am Ende des Verdauungsprozesses noch einmal wiederholen. Dauerhafte Schäden richtet der Chiligenuss trotzdem nicht an. Der regelmäßige Verzehr von scharfem Essen kann aber die Schmerzfasern unempfindlich machen – so wie wir auch nicht mehr auf einen Feuermelder im Haus reagieren, der ständig falschen Alarm gibt. Deshalb wird Capsaicin auch als Therapeutikum gegen chronische Schmerzen eingesetzt.

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