Die anmutigste aller Frauen, die Göttin der Schönheit und der Liebe, kam auf sehr hässliche Weise zur Welt. Das haben ihre Bewunderer, die Maler der Renaissance, natürlich vertuscht: Bei ihnen entsteigt Venus mit wallendem Goldhaar dem Meer, liegt barbusig auf der Ottomane oder ruht nackt in arkadischer Landschaft. Immer leuchtet die Dame – und fast schon ein bisschen selbstgefällig auf dem Gemälde des Italieners Jacopo Palma il Vecchio, das um 1500 in Venedig entstand. So makellos ihre Haut, so sanft hingegossen ihr Leib. Kein Betrachter käme auf die Idee, sie könnte gewaltsam gezeugt worden sein.