Was für ein Vermächtnis! Fast zwanzig Jahre sind seit dem Tod von Zbigniew Herbert vergangen, seine Gedichte aber haben nichts eingebüßt von ihrer Gedankenklarheit und Grazie, ihrer Anschauungskraft und ihrer Menschen- und Weltzugewandtheit. Abgerungen wurden diese Gedichte einem Katastrophen-Jahrhundert, das alles daransetzte, einem polnischen Dichter das Leben schwer, ja fast unmöglich zu machen. Der 1924 in Lemberg geborene Herbert, der während der deutschen Besatzung eine Untergrundschule besuchte und sich 1943 mit seinem Vater, einem Bankier, dem polnischen Widerstand anschloss, nach der Befreiung in Warschau Jura, Ökonomie, Philosophie und Kunstgeschichte studierte und daneben Gedichte schrieb, hat in diesen schon früh seinen Abscheu vor der Geschichte und dem "Bazillus der Politik" bekundet: "niemals habe ich an den Geist der Geschichte geglaubt / das erfundene Ungeheuer mit dem tödlichen Blick / die dialektische Bestie an der Leine der Häscher". Deshalb erlag Herbert, im Gegensatz etwa zu Czesław Miłosz oder Leszek Kołakowski, die das später bitter bereuten, auch keinen Augenblick lang der kommunistischen Verheißung. In der Stalin-Zeit verbot er sich das Publizieren von Gedichten und schlug sich als Gelegenheitsarbeiter und als Angestellter eines Anzeigenblattes und einer katholischen Revue durch.