Seit Kurzem hat Theresa May, die britische Premierministerin, einen neuen Lieblingsspruch. Er heißt: "Politik ist kein Spiel." So hat sie es formuliert, als sie der Opposition am Dienstag vorwarf, den Brexit zu blockieren. Nur mit "größtem Widerwillen", beteuerte May, habe sie sich dafür entschieden, eine Neuwahl für den 8. Juni auszurufen. Ein Schachzug, den kein Stratege in Westminster für denkbar gehalten hatte.

Die erste Taktik – überrumpele deine Gegner – hat also schon mal funktioniert.

Theresa May regiert schon jetzt mit einer absoluten Mehrheit. Um eine weitere Wahl, die weitere Unruhe bringt, zu rechtfertigen, müsste sie am 8. Juni haushoch gewinnen. Versetzen wir uns für einen Moment in ihre Lage: Welche Strategie könnte die Premierministerin verfolgen?

1. Wappne dich gegen die Kritiker in den eigenen Reihen

Der von Theresa May angekündigte harte Brexit ist in ihrer Partei umstritten. Die einen fürchten, dass er Großbritannien in den nächsten Jahren ärmer machen könnte: Die britische Wirtschaft ist bislang nicht nur auf den Zugang zum EU-Binnenmarkt, sondern auch auf Einwanderer angewiesen. Die anderen fürchten, dass May den Europäern bei den anstehenden Verhandlungen zu viele Zugeständnisse machen könnte. Ihre parlamentarische Mehrheit von 17 Abgeordneten ist dünn – schon neun Rebellen könnten die Regierung blockieren.

Die außenpolitischen Verhandlungen mit den Europäern werden weit schwieriger als die innenpolitischen Probleme. Je weniger Widerstand May zu Hause überwinden muss, desto freier kann sie in Brüssel auftreten.

2. Schalte die Opposition aus

Wenn man sich die britischen Parteien als Pokerspieler an einem Tisch vorstellt, dann wäre der Stuhl des Labour-Chefs Jeremy Corbyn die meiste Zeit unbesetzt. Ständig würde er im Nebenzimmer verschwinden, um mit seinen Abgeordneten darüber zu streiten, wohin er seine Partei führen will: in die Downing Street oder doch lieber auf die Wiese vor dem Parlament, wo demonstriert wird? Und ist er jetzt für den Brexit, dagegen oder so halb für eine weiche, linke Variante?

In den Umfragen vom Osterwochenende liegt die Labour-Partei rund 20 Prozentpunkte hinter den Konservativen. Auch wenn man Prognosen nicht mehr glauben mag, reichen sie, um zu wissen: May wird Corbyn sicher schlagen.