Sie haben eine halbe Stunde Zeit, dann geht es weiter mit dem Training. Laura Ludwig, 31, und Kira Walkenhorst, 26, sind nun mal die erfolgreichsten Beachvolleyballerinnen des Landes. Und die ehrgeizigsten: 2016 holten sie olympisches Gold. Die Athletinnen trainieren fast täglich im Beachcenter Hamburg, mit feinem weißem Sand auf dem Court und Südsee-Optik an den Wänden. Im Sommer geht es zur Weltmeisterschaft in Wien.

DIE ZEIT: Frau Ludwig, Frau Walkenhorst, kann man als Beachvolleyballerin in Deutschland reich werden?

Laura Ludwig: Definieren Sie reich. (lacht) Wir sind reich im Herzen. Im Ernst: Wenn man jahrelang unter den ersten fünf oder zehn der Welt mitspielt und auch deutschlandweit unter den ersten drei Topteams rangiert, dann kann man ganz gut Geld mit dem Sport verdienen.

ZEIT: Aber das vergangene Jahr lief schon besonders gut, oder?

Ludwig: Olympische Jahre sind nie schlecht, und 2016 waren die Preisgelder der Turniere so hoch wie nie.

ZEIT: Damit Sie sich optimal auf die Olympischen Spiele vorbereiten konnten, wurde in Ihrem Trainingszentrum in Hamburg extra Sand von der Copacabana aufgeschüttet. Wer hat das eigentlich gezahlt?

Ludwig: Die Stadt Hamburg. Die Idee kam vom Olympiastützpunkt Hamburg und Schleswig-Holstein.

ZEIT: Was kostet so was?

Ludwig: Rund 10.000 Euro.

ZEIT: Sie sind sehr unterschiedliche Persönlichkeiten. Laura Ludwig wirkt extrovertiert, Kira Walkenhorst ist eher der zurückhaltende Typ. Auf dem Court ergänzen Sie sich dann perfekt. Wie läuft das beim Geschäftlichen?

Kira Walkenhorst: Ich glaube, da sind wir uns ziemlich ähnlich. Für uns beide war immer klar, dass wir sportlich so erfolgreich werden wollen wie möglich. Alles, was dafür nötig ist, wird investiert.

ZEIT: Nie mal eine Fehlinvestition?

Walkenhorst: In den vier, fünf Jahren, die wir zusammenspielen, nicht. Es war natürlich von Vorteil, dass Laura schon jahrelange Erfahrung als Topspielerin hatte. Unsere Trainer haben uns dazu sehr gut beraten.

ZEIT: Sie müssen fast alles selbst regeln, spielen aber offiziell für den HSV. Wie werden Sie von dem Verein unterstützt?

Ludwig: Nur finanziell. Der Bereich Beachvolleyball ist neu für den Club, den Mitarbeitern fehlt noch der Überblick, welche Trainingscamps wir besuchen, in welche Länder wir reisen, um mit welchen Teams zu trainieren. Im Frühjahr sind wir beispielsweise in Los Angeles, weil wir unbedingt mit den Amerikanern trainieren wollen. Das organisieren wir selbst.

ZEIT: Wann haben Sie das erste Mal Geld mit Sport verdient?

Walkenhorst: Mit 17 habe ich in der Ersten Bundesliga in Leverkusen gespielt, damals noch in der Halle. Da hatte ich zum ersten Mal einen Vertrag über 450 Euro. Ich habe in der Zeit aber eine Ausbildung zur Physiotherapeutin gemacht, die mich 480 Euro im Monat gekostet hat. Das ging nur mit der Hilfe meiner Eltern – immerhin konnte ich so die Ausbildung mitfinanzieren.

Ludwig: Ich habe auch in Leverkusen gespielt, aber statt Geld eine Wohnung gestellt bekommen und ein Auto. Das ist ja auch eine Art Verdienst. Am Anfang verlief das Geldverdienen noch sehr schleppend. 2007, 2008 habe ich mit meiner damaligen Beachvolleyball-Partnerin angefangen, regelmäßig die Top-Ten-Platzierungen zu erreichen. Ein Deutscher-Meister-Titel kam hinzu, ein Europameistertitel. Erst dann wurden Sponsoren auf uns aufmerksam und wollten Partnerschaften abschließen.

ZEIT: Gilt der Satz: Für Topleistung muss man große Opfer bringen?

Ludwig: Ich möchte das nicht als Opfer bezeichnen. Klar, Freunde und Familie sehen wir seltener, Hochzeiten kriegen wir oft nicht mit, wir verpassen Geburtstage. Aber es gibt auch immer wieder andere Phasen, da haben wir mehr Zeit, ein, zwei Monate komplett frei. Ich lebe dieses Leben jetzt seit 15 Jahren und habe mich darauf eingelassen. Ich sehe das eher als Geschenk.

ZEIT: Frau Walkenhorst, Sie waren bereit, sich für die Olympischen Spiele in Rio den Meniskus entfernen zu lassen. Das könnte später Folgen haben für Ihre Knie. Kein Opfer?

Walkenhorst: Für mich ist die wenige Zeit, die ich mit Freunden habe, das größere Opfer. Ich bin mit 14 wegen des Sports nach Berlin gezogen, mit 17 nach Leverkusen, dann kamen Aachen und Hamburg. Man bricht immer wieder alle Zelte ab. Da verpasst man schon was.