Niko Kovač, der als Trainer mit Frankfurt am Dienstag im Halbfinale des DFB-Pokals steht, hält an einem sonnigen Frühlingsabend im Schlosssaal in Wiesbaden seinen Fairplay-Preis in die Kamera. Eben noch klagten ein Säbelfechter und eine Sportschützin auf dem Podium über den Verlust von Werten im Sport, Dopingvergehen und bescheidene finanzielle Möglichkeiten: "Wenigstens eine feste Stelle" könne sich der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) ja wohl für die Vertretung seiner Athleten leisten, es könne doch nicht so schwer sein, ihre Bedürfnisse zu befriedigen.

Während man sich also noch über den fahrlässigen Umgang mit den deutschen Olympiahoffnungen wundert, erscheint dieser Fußballtrainer mit geschätztem Jahresgehalt von einer halben Million Euro auf der Bühne. Geehrt wird Niko Kovač vom DOSB und dem Verband Deutscher Sportjournalisten, weil er nach dem Klassenerhalt im vergangenen Sommer erst den Verlierern aus Nürnberg Trost gespendet und dann seinen eigenen Spielern gratuliert hat.

Der Profisport braucht Persönlichkeiten mit integrativen Kräften. Deshalb kommt es auf Menschen wie Niko Kovač an. Der 45-Jährige bewegt sich momentan häufig auf großen Bühnen. Wenn er nicht an der Seitenlinie in einem Stadion den Auftritt seiner Mannschaft dirigiert, dann sitzt er, wie bei unserem ersten Treffen an diesem Nachmittag im Februar, in einem grünen Sessel in einem Saal mit hohen Decken. Früher wohnten hier Großherzöge. Heute dient der Raum als Restaurant eines Luxushotels, mitten im Wald vor Frankfurt gelegen. Ein ungewöhnlicher Ort zum Nachdenken. Aber wo soll er sonst hin? Seitdem er bei der Eintracht arbeitet, wohnt Kovač nun mal in einem Hotel.

Fühlt er sich an diesem Ort zu Hause? Er nippt vorsichtig an seinem grünen Tee und sagt: "Früher dachte ich, es gibt für jeden diesen einen Ort der Geborgenheit. Man muss nur die Augen aufhalten auf der Reise – und ankommen."

Aber die Sache sei komplizierter, habe er mittlerweile erkannt.

Kovačs Reise begann, da war er selber noch gar nicht auf der Welt. Seine Eltern stammen aus Livno, einer Gemeinde im Westen Bosnien-Herzegowinas. Sie verließen ihre Heimat und zogen nach Berlin-Wedding, hier wurden Niko und seine jüngeren Geschwister Robert sowie Nikolina geboren. Vater Mato arbeitete als Zimmermann, Mutter Ivka als Putzfrau. Niko spielte wie sein Bruder Fußball, erst in Zehlendorf, dann für die Hertha in der zweiten Liga.

Schon damals war er mit seiner heutigen Frau Kristina zusammen. "Ich fühle mich wohl, wenn etwas lange anhält", sagt Kovač. "Heute verlassen die Menschen so schnell das Gewohnte, fast wie Getriebene, nur um das Wenige, was sie noch nicht kennen, auch noch zu entdecken. Ich muss mich geborgen fühlen, das gibt mir Sicherheit." Die fand er auch im BWL-Studium an der Freien Universität in Berlin, das er erst aufgab, als er den ersten Profivertrag in Leverkusen unterschrieben hatte.