So ein Pferd ist ja auch nur ein Mensch – und zwar ein Politiker, um genau zu sein. Diese Erkenntnis überfiel mich, als ich am Ostersonntag auf der Galopprennbahn Hoppegarten bei Berlin das Programmheft studierte. "Gewann bisher drei Rennen, steht deshalb inzwischen bei einer Marke, mit der sie es nicht mehr so einfach hat", stand da. Läuft da Angela Merkel mit, fragte ich mich verblüfft – und sah am Start nun überall nur noch Politiker.

Im gleichen Rennen lief auch der "Vertreter eines großen, erfolgreichen Stalles", der "in seiner ersten Saison zwar noch nicht viel gezeigt hat, sich aber nun als Wallach präsentiert". Markus Söder! Schließlich steht der CSU-Kraftprotz ziemlich entmannt da, nachdem Horst Seehofers lange Suche nach einem Nachfolger nicht bei ihm, Söder, sondern bei Seehofer zu enden scheint. Ich sah zwar auch noch Sigmar Gabriel ("steht nur noch vier Kilo über seiner Siegmarke") und Martin Schulz ("muss zeigen, ob er auch in dieser Gesellschaft vorne mitmischen kann") galoppieren. Doch dann las ich: "Man sollte sie nicht an der letzten Form messen", dachte erneut an Merkel – und da ging die Kanzlerin im Hauptrennen auch schon als Erste durchs Ziel.