Zufrieden steht Reinhard Bauer zwischen seinen Pflanzen, sein Blick geht über die sanften Hügel rund um das niederbayerische Landshut. Kurz vor der Ernte im Oktober stehen nur noch die hüfthohen Stängel auf dem Acker nahe dem Örtchen Kumhausen, daran Dutzende Hülsen, in jeder stecken bis zu fünf gelbliche Samen: Sojabohnen.

"Als wir vor sechs Jahren eingestiegen sind, habe ich von allen gehört: Soja, das geht doch bei uns gar nicht." Doch der Landwirt namens Bauer hat getan, was EU, Bundes- und Landesregierung fordern und fördern: mehr Eiweißpflanzen anbauen. Das soll die Biodiversität und die Bodenfruchtbarkeit erhöhen und Importe vermeiden helfen. Ackerbohne, Futtererbse und all die anderen heimischen Leguminosen, die früher einmal fester Bestandteil der Fruchtfolge waren, sie sind in den letzten Jahrzehnten fast vollständig aus der deutschen Landwirtschaft verschwunden. Viel zu billig war Importsoja aus Übersee – und viel zu hochwertig das darin enthaltene Eiweiß. "Heute gilt: Je weiter was transportiert wird, desto billiger ist es", sagt Bauer staunend.

Der Landwirt ist kein Öko. Das Unkraut auf dem Sojafeld hat er vor der Aussaat weggespritzt, und wenn es die 120 Euro Zuschuss nicht gäbe, die er aus verschiedenen Töpfen für jeden seiner 18 Hektar Soja bekommt, würde er dort wieder etwas anderes anbauen. Zwar hat sich die deutsche Sojaernte in den vergangenen fünf Jahren verdreifacht, doch mit gut 30.000 Tonnen ist sie gegenüber den 4,2 Millionen Tonnen importierten Sojas aber weiterhin winzig. So ist Reinhard Bauer Soja-Pionier. Aber er bleibt dabei Realist: Deutsches Soja werde die Importe nie ersetzen. Warum das so ist, kann man schon auf Bauers Hof sehen. Die 2.000 Mastschweine in seinen Ställen bekommen eine bis aufs Milligramm für schnelles Wachstum optimierte Kraftfuttermischung. Seine selbst angebauten Bohnen nutzt Bauer dafür nicht. "Zu riskant", Qualität und Eiweißgehalt schwankten beim heimischen Soja zu sehr – wie die Erträge.

"In guten Jahren sind es vier Tonnen pro Hektar, in schlechten ist es aber nur eine", bestätigt Sabine Wölfel. Sie experimentiert in der thüringischen Landwirtschaftsanstalt in Großenstein mit verschiedenen Sorten der Wunderbohne. Seit vielen Jahren gibt es praktisch keine heimische Zucht mehr. Dafür wachsen auf den Versuchsfeldern in Großenstein auf schmalen Streifen Merlin, Sultana, Viola oder Obelix – aus Österreich, der Schweiz, Frankreich und Kanada eingeführte Sojasorten. Zu DDR-Zeiten hat Wölfel mit Saatgut aus China experimentiert, aber das fühlte sich in Thüringen nie wohl. Immerhin, die Bohne wächst wieder in Deutschland. Der stark schwankende Ertrag bleibt aber ein Problem.

In Kumhausen, wo Reinhard Bauer mit seiner Familie einen idyllischen Vierseithof bewirtschaftet – Ställe und Wirtschaftsgebäude an drei Seiten, an der vierten das Wohnhaus mit geraniengeschmücktem Holzbalkon –, verbessern die Leguminosen zusätzlich im Fruchtwechsel die Bodenqualität. Sie helfen, Kunstdünger zu sparen, das senkt den Treibhausgasausstoß. Reinhard Bauer konnte den Effekt direkt beobachten. Ein Weizenfeld, auf dem er im Vorjahr Soja angebaut hatte, lieferte bei gleicher Bewirtschaftung fast 15 Prozent mehr Ertrag als das benachbarte Feld, auf dem zuvor Mais stand. "Das hat mich auch selber überrascht", sagt er, "aber die Weizenkörner waren wirklich schöner."