Jahrzehntelang hat Investorenlegende Warren Buffett Aktien von Fluggesellschaften gemieden. Vor wenigen Monaten, im Dezember 2016, änderte er seine Meinung. Er investierte in die vier größten US-Airlines. Auf etwa zehn Milliarden US-Dollar schätzten Medien sein Investment.

Vergangene Woche konnte Buffett auf mehreren Finanzportalen die Analyse lesen, er hätte besser die Finger von der Luftfahrt gelassen. Schuld daran war eine der vier Fluggesellschaften: United Airlines.

Die Fluglinie hatte einen Passagier gewaltsam aus der Kabine ziehen lassen, weil das Flugzeug überbucht war. Ein Video zeigt, wie Sicherheitsleute den Mann über den Kabinengang des Flugzeugs zum Ausgang schleifen. Der Schaden für den 69-jährigen Passagier: eine Gehirnerschütterung, eine gebrochene Nase, zwei ausgeschlagene Zähne. Der Schaden für United Airlines: eine angekündigte Klage des Betroffenen und ein globaler Shitstorm.

Über Facebook und Twitter verbreitete sich das Video des Vorfalls innerhalb kürzester Zeit. Weltweit empörten sich Menschen über das brutale Vorgehen der Fluglinie. Besonders gerne getwittert wurde dabei eine Kurve, die steil nach unten geht: der Börsenkurs von United Continental Holdings, der Muttergesellschaft der Fluglinie. Der Aktienwert, so zeigte die Grafik, fiel rapide, nachdem der Skandal weltweit bekannt geworden war.

Quelle: Thomson Reuters, Bloomberg © ZEIT-Grafik

Es scheint, als sei die Fluggesellschaft das beste Beispiel dafür, wie ein virales Phänomen nicht nur den Ruf eines Unternehmens beschädigen kann – sondern auch seinen Aktienkurs. Dabei ist United Airlines das beste Beispiel, dass das eben nicht stimmt. Der Kurswert sackte lediglich kurz ab. Wie ein Flugzeug, das durch ein Luftloch fliegt.

Die meisten Grafiken, die bei Facebook und Twitter verbreitet wurden, zeigten den Kursverlauf am Dienstag vergangener Woche. An diesem Tag verlor die Aktie zwischenzeitlich mehr als vier Prozent an Wert. In absoluten Zahlen klingt das noch dramatischer: Der Marktwert von United Continental sank um rund 950 Millionen US-Dollar.

Ganz anders sieht es aus, betrachtet man den Kursverlauf über einen längeren Zeitraum. Am Freitag vor dem gewaltsamen Rauswurf schloss die Aktie an der New Yorker Börse bei 70,88 US-Dollar, zehn Tage später bei 70,77 US-Dollar. Von einem drastischen Kurseinbruch kann also keine Rede sein.