Grobbleche, so die Definition, sind mindestens 3 Millimeter und höchstens 17,5 Millimeter dick. Untauglich für profane Konservendosen oder fein geschwungene Kotflügel, aber unentbehrlich für den Bau von Maschinen, Brücken oder stabilen Pipeline-Röhren. Stahlkonzerne auf der ganzen Welt walzen Grobbleche, und die Hersteller könnten weit mehr dieser schweren Stahltafeln herstellen, als die Kunden nachfragen. Seit Jahren sorgen diese vor allem in China geschaffenen Überkapazitäten für harten weltweiten Wettbewerb. Im Zeitraum zwischen 2000 und 2014 haben sich die Stahlkapazitäten nach Berechnungen der OECD mehr als verdoppelt.

Preiskämpfe sind die Folge. "Dumping" werfen sich die Hersteller gegenseitig vor, wenn Stahl im Ausland angeblich unter dem Herstellungspreis im Herkunftsland verkauft wird. Und die Politik ergreift Partei. Da gehen die Europäer gegen Chinesen vor, Amerikaner gegen Chinesen und Koreaner, Chinesen gegen Europäer. Und, so wie seit Ende März bei Grobblechen: Amerika beschuldigt den Rest der Welt – inklusive Deutschland.

Das grobe Blech passt ideal zu den groben Tönen Donald Trumps. Hat er doch angekündigt, die durch angeblich "unfairen Handel" vom Ausland "gestohlenen" Fabriken und Arbeitsplätze wieder heim nach Amerika zu holen.

Zwei deutsche Stahlkonzerne, die AG der Dillinger Hüttenwerke aus dem Saarland und die Salzgitter AG aus Niedersachsen, haben sich die Amerikaner vorgeknöpft. Sie gehören zu einem Dutzend Herstellern aus verschiedenen Ländern, die seit dem Verdikt vom 30. März vorsorglich Strafzölle hinterlegen müssen, wenn sie Stahlplatten in die USA liefern wollen: Bei der Dillinger Hütte sind es 5,38 Prozent des Warenwerts, bei Salzgitter 22,9 Prozent, andere sollen bis zu 148 Prozent zahlen.

Nicht nur die Stahlkocher sind aufgeschreckt, auch die Bundesregierung und die EU-Kommission sind in großer Sorge. Die Strafzölle beim Stahl könnten der erste Schritt der Trump-Regierung sein, um ausländische Produkte und Unternehmen aus dem amerikanischen Markt zu drängen. Mit unabsehbaren Folgen für den freien Welthandel.

Nicht Trump, sondern Amtsvorgänger Obama leitete das Verfahren ein

Dabei waren die jetzt verkündeten Strafzölle gar nicht die Idee von Trump. Im April 2016, also noch unter Präsident Barack Obama, verklagten drei US-Stahlhersteller die Konkurrenz aus dem Ausland beim amerikanischen Handelsministerium, dem Department of Commerce, kurz DOC, weil diese angeblich Grobbleche zu unfairen Billigpreisen in die USA brächten. Seither läuft das Verfahren, alle Lieferungen von Grobblechen im Jahr 2015 wurden unter die Lupe genommen. Ende vergangenen Jahres zeichnete sich ab, dass Stahlhersteller aus aller Welt mit Strafzöllen belegt werden würden. Und am 30. März platzte die Bombe – das DOC veröffentlichte die Liste der Unternehmen und die geforderten Zölle. Die Vorlage aus der Obama-Ära nutzt nun Trumps Handelsminister Wilbur Ross, schließlich will er "der Schummelei" ausländischer Lieferanten ein Ende machen.

Dillinger Hütte und Salzgitter bestreiten, in den USA mit Kampfpreisen gearbeitet zu haben. "Die deutschen Hersteller haben beim Verfahren ausreichende Beweise vorgebracht, dass kein Dumping stattgefunden hat", sagt Hans Jürgen Kerkhoff, der als Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl für die gesamte deutsche Branche spricht. Und: Die konkreten Vorwürfe von amerikanischer Seite seien "nicht haltbar". Die beiden deutschen Hersteller selbst reagierten unterschiedlich. Bei der Dillinger Gruppe ging man auf Nummer sicher: Angesichts der drohenden Strafzölle stellte man den Export in die USA erst mal ein. Die Konzernführung wollte sich ansonsten nicht öffentlich äußern und hofft offenbar auf die politische Lobbyarbeit.