Jeden Morgen gehe ich an einer kleinen Galerie in meinem Viertel vorbei, in der einige Monate lang ein Siebdruck des Pop-Art-Künstlers John Giorno hing: "Du musst brennen um zu strahlen" stand darauf. Mir gefiel das Bild, es erinnerte grafisch ein bisschen an das Run-DMC-Logo. Jeden Morgen überlegte ich, ob ich den Druck kaufen sollte, ob ich die Aussage überhaupt mochte und was es über mich aussagte, dass mich der Satz so ansprach. Dann kam die nächste Ausstellung.

Als ich letzte Nacht immer wieder dieselben Halbsätze in meinem Artikel umherschob und mir immer wieder dieselben zentralen Abschnitte laut vorlas, erinnerte ich mich an den Druck und daran, dass dieses selbstvernichtende Künstlerethos vielleicht dann in Ordnung ist, wenn man nur sich selbst artikuliert, nicht aber, wenn man ein Porträt schreibt oder einfach ein Interview abtippt. Oder war das gar kein Künstlerethos, sondern protestantischer Arbeitseifer? Ich starrte an die vom Monitor schal erleuchtete Wand. Du musst schlafen, um zu schreiben, dachte ich und klappte den Rechner zu.