Drei Viertel aller Autos, die in Deutschland verkauft werden, sind entweder silbern, schwarz oder weiß. Insbesondere steigt der Anteil der weißen Autos kontinuierlich an, in den letzten zehn Jahren von 3 auf 20 Prozent. Darüber, wie die Autofarbe die Verkehrssicherheit beeinflusst, gibt es erstaunlich wenig Forschung. Dabei ist ja die Frage schon relevant – jedenfalls solange noch Menschen statt Roboter am Steuer sitzen. Im März hieß es, dass in Singapur gelbe Taxis seltener verunglücken als blaue. Das ist ein Hinweis darauf, dass die helle Signalfarbe das Auto leichter erkennbar macht, und es deckt sich mit den Ergebnissen einer Studie, die Verkehrsforscher von der australischen Monash University 2007 veröffentlicht haben. Sie analysierten 850.000 Unfälle aus zwei australischen Bundesstaaten.

Wie bekommt man heraus, ob die Autofarbe zu mehr Kollisionen führt? Wenn schwarze Autos überdurchschnittlich oft verunglücken, könnte das ja auch daran liegen, dass rasende Verkehrsrüpel schwarz besonders gerne mögen. Die Forscher nutzten einen Trick, um solche unbekannten Störfaktoren zu umgehen. Sie teilten alle Unfälle in zwei Klassen ein. Diejenigen, bei denen die Autofarbe eine Rolle spielen könnte, etwa Kollisionen zwischen zwei fahrenden Autos, und jene, bei denen die Farbe irrelevant ist, wenn zum Beispiel jemand gegen einen Baum fährt. Und dann verglichen sie für jede Autofarbe den Unfallanteil in diesen beiden Klassen.

Das Ergebnis der Studie: Nachts waren die Unterschiede am geringsten – da kommt es nicht auf die Farbe, sondern vor allem auf die Beleuchtung des Wagens an. Am Tag aber bauten blaue, rote, silberne, graue und schwarze Autos signifikant mehr Unfälle als weiße. Die Forscher relativierten allerdings ihre Ergebnisse: Einerseits werde die Unfallgefahr durch eine riskante Fahrweise oder Alkohol am Steuer viel stärker beeinflusst als durch die Autofarbe. Andererseits wäre es auch nicht gut, führen nur noch weiße Autos herum – die würden sich dann nicht gut genug voneinander abheben.

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