Ein Mann kämpft um sein Lebenswerk. So könnte man die vergangenen Monate im Leben des Hamburger Reeders Bertram Rickmers überschreiben. Sein Unternehmen steht vor der Insolvenz. Ein Rettungsplan sieht vor, dass Rickmers mehr als 75 Prozent seiner Firmenanteile abgibt, um seine Gläubiger zu bezahlen.

Geht der Plan nicht auf, bricht Rickmers’ Imperium zusammen. Geht er auf, hat er seine Reederei womöglich gerettet, aber dennoch verloren: Rickmers wird in dem Unternehmen, das er aufgebaut hat, nicht mehr viel zu sagen haben. Eine tragische Geschichte? Ja. Aber erzählt werden muss auch, dass der Mann sein Lebenswerk selber verspielt hat.

Rickmers gehört mit seiner Reederei zu den größten Schiffsvermietern der Welt – und zu den Menschen, die viel zu lange geglaubt haben, dass diese Gelddruckmaschine ewig funktioniert. Wer 2013, mitten in der Schifffahrtskrise, eine Anleihe ausgibt und knapp neun Prozent Zinsen verspricht, ist entweder verantwortungslos oder handelt aus schierer Verzweiflung.

Gerade Schiffsvermieter wie Rickmers, sogenannte Charterreeder, sind von der Krise besonders betroffen. Zum einen, weil große Linienreeder wie Hapag-Lloyd lieber ihre eigenen Frachter auslasten, statt zu chartern. Aber eben auch, weil bei den Schiffsvermietern oft eigensinnige Firmenpatriarchen das Sagen haben, die nicht wahrhaben wollten, dass sie Macht abgeben müssen, um zu überleben. Während die Linienreeder ihre Firmen schon seit Jahren mit anderen zusammenschließen, kommt den Charterreedern diese Erkenntnis nur selten oder wie bei Rickmers zu spät. Zuletzt scheiterte sein Versuch, sich mit der Reederei seines Bruders zusammenzutun.

Das Ärgerliche: Am Ende muss mal wieder der Steuerzahler leiden. Egal, wie die Sache ausgeht, die Gläubiger werden Geld verlieren. Zu den wichtigsten gehört, klar, die HSH Nordbank. Mitleid ist fehl am Platz.