Man kannte Peter Kolba als einen jener Menschen, die mit ihrem Arbeitgeber gleichsam verschmolzen sind. Der Chefjurist des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) drängte via ORF-Vorabendprogramm so regelmäßig in die Wohnzimmer des Landes, dass Kolba und der Konsumentenschutz wie eine Marke wirkten. Irgendwie schien er immer schon beim VKI gewesen zu sein. Jetzt ist er weg, im Winter hat Kolba den Verein im Unfrieden verlassen.

Ein Berufsleben lang zog Kolba für Konsumenten vor Gericht. Nun ist er 58 Jahre alt, zu jung für die Pension, vor allem zu rastlos. Gemeinsam mit dem Journalisten Oliver Jaindl und dem Wirtschaftsprüfer Manfred Biegler hat er den gemeinnützigen Verein Cobin Claims gegründet. Cobin steht für Consumers, Business und Investors. In Fällen mit vielen Geschädigten will man frustrierte Konsumenten sammeln und Klagen für sie einbringen. Es ist nun einmal das, was Kolba am besten kann. Als leitender VKI-Jurist nahm er es mit globalen Autokonzernen, mit dreisten Drei-Buchstaben-Finanzfirmen, mit Banken und Fonds auf.

Kolba hat zugestimmt, sich in seinem Reihenhaus in der Nähe von Wien besuchen zu lassen. Allerdings will er seinen Wohnort geheim halten, Jahrzehnte voller Streitfälle um Schmerzensgeld und Entschädigungen haben ihn vorsichtig gemacht. Beim VKI sei er der internen Kämpfe überdrüssig gewesen. "Den Konflikt mit Arbeiterkammer und Sozialministerium über die Frage, was man klagen darf, gab es zwar schon immer", sagt Kolba. "Es ist aber ärger geworden." Die Angst, dass Arbeitnehmer gekündigt werden könnten, werde gegen den Konsumentenschutz ausgespielt, findet er.

Kolba sitzt auf seiner Couch im Wohnzimmer, nicht nur juristisch ein Schwergewicht. Mit den Wiener Staranwälten, die ihm in wie auf den Körper gebügelten Anzügen gegenüberstanden, hat er auch optisch nichts gemein. Kolbas Sakkos und Hemden sehen irgendwie immer zerknittert aus. Auf den Tisch hat seine Frau Kekse gestellt. Das Wohnzimmer ist behaglich, helles Holz, großer Fernseher, Klavier und Kachelofen. Eine kleine bürgerliche Idylle, nur scheint Kolba sich nicht nach Idylle zu sehnen.

Wegen der eigenen Nervenkrankheit fordert Kolba leichteren Zugang zu Cannabinoiden

Peter Kolba möchte einen privaten Konsumentenschutz in Österreich hochziehen. Bis zum Sommer will er dafür eine Privatstiftung gründen, er versucht gerade, 61.000 Euro über Crowdfunding aufzutreiben. Unter den rund 70 Beiräten, die Kolba auf der Homepage von Cobin versammelt hat, sind Anwälte, Rechtsprofessoren und Unternehmer. "Ich war die vergangenen Wochen ein bisschen unterwegs wie ein Versicherungsvertreter", sagt Kolba und lacht. Die illustre Runde spiegelt auch seine Erfolge aus der VKI-Zeit wider. "Er ist das Gesicht des Konsumentenschutzes in Österreich und ein Jurist mit einem Gespür, was machbar ist", begründet etwa die ehemalige Arbö-Chefin Lydia Ninz ihre Unterstützung.

Kolba leidet seit ein paar Jahren an der Nervenkrankheit Polyneuropathie, seine Schmerzen lindert er mit einem aus Cannabis gewonnenen Medikament. Natürlich wirft er sich auch hier in die Schlacht und fordert vom Gesundheitsministerium einen leichteren Zugang zu Cannabinoiden. Er hätte es sich leichter machen können, als einen Verein zu gründen, um sich wieder mit großen Gegnern zu messen. Angebote aus der Privatwirtschaft habe er nach seinem Abgang vom VKI verstreichen lassen, sagt Kolba. "Ich würde ihn nicht als Karrieremenschen einschätzen", sagt Cobin-Kollege Jaindl. "Wenn Sie ihn in eine typische Wiener Anwaltskanzlei setzen, wo die Leute 5.000-Euro-Anzüge tragen, wäre das nicht seine Welt."