DIE ZEIT: Herr Czekalla, Til Schweiger verkauft in seinem Restaurant einen Liter Leitungswasser für 4,20 Euro. Er sagt, es sei gefiltert. Muss man das Hamburger Leitungswasser extra säubern?

Christoph Czekalla: Nein, wir verwenden Grundwasser, das sich ohnehin schon durch eine hohe Qualität auszeichnet. Hinzu kommt dann der zentrale Aufbereitungsschritt in unseren Wasserwerken, die Filtration. Das Wasser ist also völlig klar. Es gibt überhaupt keinen Grund, es noch zusätzlich zu filtern.

ZEIT: Es schadet aber auch nicht?

Czekalla: Doch, das kann schädlich sein. Die meisten gehen davon aus, dass ein Filter Stoffe herausholt. Das muss bei Filtern im Restaurant oder zu Hause aber nicht der Fall sein, sie können das Wasser auch verunreinigen, weil sie hygienisch nicht so gut geprüft werden wie die Filter in unseren Wasserwerken. Unser Trinkwasser ist perfekt überwacht: von der Gewinnung über die Aufbereitung und den Weg bis hin zum Kunden.

ZEIT: Also geht man mit eigenen Filtern unnötiges Risiko ein?

Czekalla: Im Grunde schon. Ich will nichts Grundsätzliches gegen Privatfiltration sagen. Aber das Risiko muss einem bewusst sein, wenn man eigene Filter verwendet. Klarer als unser Wasser aus dem Hahn kriegen Sie es nicht.

ZEIT: Wie werden Wasser und Filtration bei Hamburg Wasser überwacht?

Czekalla: Indem wir in unserem Zentrallabor in Rothenburgsort regelmäßig mikrobiologische Proben nehmen.

ZEIT: Nach welchen Kriterien wird geprüft?

Czekalla: Grundsätzlich gibt es über die Trinkwasserverordnung Vorgaben in vielen Bereichen. Klarheit, Farbe, Geruch, Temperatur und Geschmack des Wassers, alles ist geregelt.

Christoph Czekalla leitet bei Hamburg Wasser die Klär- und Wasserwerke © Krafft Angerer

ZEIT: Wie steht das Hamburger Wasser in Sachen Klarheit da?

Czekalla: Der Grenzwert in der Verordnung ist so niedrig, dass Sie selbst bei einem Swimmingpool mit beachtlicher Sichttiefe mit dem bloßen Auge keinerlei Trübe erkennen können. In Hamburg halten wir den Wert nicht nur ein, wir übererfüllen ihn deutlich.

ZEIT: Wie sieht es mit dem Geruch aus?

Czekalla: Die sogenannten organoleptischen Parameter, die Geschmacksempfindung, sind sehr wichtig. In der Trinkwasserverordnung steht sinngemäß: Das Wasser soll zum Genuss einladen.

ZEIT: Und wer überprüft, ob es schmeckt? Ein Vortester?

Czekalla: So in etwa. Es gibt bei der Wasserprobe eine sogenannte Ansprache. Der Tester riecht dabei erst mal in das Wasser hinein, und er guckt, ob es optische Auffälligkeiten gibt. Diese Tests verlaufen bei uns immer sehr gut, wir haben keine Problemstoffe im Grundwasser. Im noch unbehandelten Wasser gibt es einen leichten, natürlichen Schwefelgeruch. Der geht aber vollständig bei der Aufbereitung verloren.

ZEIT: Gibt es manchmal bei der Temperatur Probleme?

Czekalla: In der Verordnung ist ein recht breiter Korridor aufgespannt, den wir in Hamburg bei Weitem nicht ausnutzen. Weil unser Wasser aus dem Untergrund kommt, aus bis zu 400 Meter Tiefe, hat es das ganze Jahr über um die zehn Grad – eine gute, natürliche Kühlung. Das ist praktisch, weil sich Bakterien bei niedrigen Temperaturen langsamer ausbreiten. Unser Netz umspannt insgesamt 5.500 Kilometer, da ist das Wasser manchmal einige Tage unterwegs. Wäre es nicht so kühl, müsste man es mit Chlor stabilisieren.

ZEIT: Ist das Hamburger Leitungswasser also besonders gut?

Czekalla: Ja, das Hamburger Wasser ist besonders sauber. Andernorts wird auch Oberflächenwasser genommen, aus Flüssen oder Talsperren. Die Temperatur verändert sich da schon allein über die Jahreszeiten. In Düsseldorf etwa schmecke ich das Chlor immer durch.

ZEIT: Wie unterscheidet sich das Hamburger Leitungswasser vom Wasser, das in Flaschen verkauft wird?

Czekalla: Die Verordnungen für unser Leitungswasser sind strenger als für Flaschenwasser. Bei Flaschen kommt zudem die Verkeimungsproblematik hinzu, vor allem bei Plastikflaschen, wenn sie warm werden und lange in Lagerhallen rumstehen. Unser Wasser steht nicht, es fließt durch die Rohre, ist ständig gekühlt und schnell beim Kunden.

ZEIT: Wurde das Hamburger Leitungswasser mal mit der Konkurrenz, dem Flaschenwasser, verglichen?

Czekalla: Es gab mal eine Blindverkostung mit Experten in einer NDR-Talkshow, unser Wasser trat an gegen Luxusflaschen mit Swarovski-Kristallen drauf.