Eine Million Männer gehen in Deutschland zu Prostituierten – Tag für Tag! 400.000 Prostituierte bieten auf deutschen Straßen, in Privatwohnungen und Bordellen ihre Dienste an ...

15,7 Prozent der Deutschen sind arm, ein neuer Rekord ...

Nur 8,4 Prozent der Frauen, die ihren Vergewaltiger anzeigen, erleben die Verurteilung des Täters – vor 20 Jahren waren es noch 21,6 Prozent ...

Fast die Hälfte der Arbeitsplätze könnte durch die fortschreitende Digitalisierung aller Lebensbereiche vernichtet werden, in den nächsten 13 Jahren ...

Eine große Mehrheit der Deutschen will künftig nicht mehr vom Auto abhängig sein ...

300 Frauen tragen in Deutschland eine Burka ...

Um mehr als ein Fünftel ist der Anteil von Kindern mit der Aufmerksamkeitsdefizit-Störung gestiegen, innerhalb von nur vier Jahren ...

21.000 Patienten könnten in Krankenhäusern und Heimen getötet worden sein – in einem Jahr ...

In den Nachrichten, in den Talkshows, in den Zeitungen, im Plenarsaal des Bundestages, im Gemeinderat, auf der Frauendemo, auf Flugblättern, in Pressemitteilungen, in Gutachten, in Studien – überall treffen wir auf Zahlen. Sie prägen gesellschaftliche Debatten. Sie entscheiden über Verbote oder Fördergelder. Sie machen Politik.

Zahlen sind einfach. Sie scheinen nur eine Dimension zu haben. Sie reduzieren Komplexität auf klare und schnell zu vermittelnde Botschaften. Sie bringen die Dinge auf den Punkt, ohne viele Worte. Sie kondensieren Unmengen verschiedenster Befunde auf ein paar Ziffern, handhabbar und übersichtlich.

Zahlen, besonders große Zahlen, sind gut für große Aufregung. Mit großen Zahlen wird Stimmung gemacht. Sie wirken ideologiefrei und nüchtern, sie suggerieren Genauigkeit und Objektivität.

Und das ist das Problem: Auf den ersten Blick erscheinen Zahlen vertrauenswürdig. Man sieht ihnen aber nicht an, was hinter ihnen steckt. Und wer. Und mit welcher Absicht.

Zahlen sind nämlich nicht einfach da. Sie werden hergestellt. Und nicht jeder Zahlenproduzent hat lautere Motive – oder auch nur ausreichende Kenntnisse der Statistik. Dieser Text trägt viele Zahlen zusammen, mit denen etwas nicht stimmt, die einen falschen Eindruck erwecken: trügerische Zahlen und Zahl gewordene Lügen. Er soll helfen, Schummeleien und handfesten Betrug zu durchschauen. Was steckt also hinter den Zahlen über Prostitution, gefährdete Arbeitsplätze oder Armut?

1 Mio. Männer sollen in Deutschland zu Prostituierten gehen – pro Tag. Aber stimmt das? Und wem nützt diese Zahl?

Beispiel Prostitution: Eine Million Männer gehen zu Prostituierten, täglich. Diese Zahl kursiert nicht nur in den Medien und im Netz. Sogar das Statistische Bundesamt rechnet mit ihr, in seinem "Schätzmodell zur Ermittlung der Prostitution in Deutschland im Rahmen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen", das zur internen Verwendung bestimmt ist. Woher hat das Amt die Zahl? Aus den Medien und dem Internet, so steht es in den Quellenangaben. Dass es Quellenangaben gibt, sieht wissenschaftlich aus, es macht die Quellen aber nicht belastbarer. "Wir wissen, dass die Qualität dieser Zahlen nicht gut ist, und sagen das auch", betont Stefan Hauf, der Autor des Schätzmodells. "Aber es gibt keine besseren." Männer (und auch einige Frauen) zahlen für Sex im Puff, auf dem Straßenstrich, an Hostessendienste und so weiter – das ist gewiss. Wie viele das tun? Das weiß niemand.

Ganz ähnlich sieht es auf der anderen Seite aus, bei der Anzahl der Prostituierten. Hier sind sehr unterschiedliche Schätzungen im Umlauf, meist ist von 400.000 Frauen die Rede. Alice Schwarzer schrieb in ihrem Buch Prostitution. Ein deutscher Skandal sogar: "Die Zahl der Frauen in der Prostitution wird heute allein in Deutschland auf zwischen 400.000 bis 1.000.000 geschätzt." Eine Million! Schwarzer bildete dann einen "Mittelwert" von 700.000, der es 2013 prompt in die Bild-Zeitung schaffte. Damals wurde gerade über die Änderung des Prostitutionsgesetzes diskutiert, und die Zeitschrift Emma, deren Herausgeberin Schwarzer ist, fuhr eine Kampagne zur Abschaffung der Prostitution. Egal, wie hehr das Ziel sein mag – eine Zahl vollkommen aus der Luft zu greifen grenzt an Lüge.