DIE ZEIT: Warum lagen die französischen Umfrageinstitute zur Präsidentschaftswahl richtig und blieben Überraschungen wie beim Brexit oder beim Sieg von Donald Trump aus?

Jérôme Fourquet: Weil wir keine Prognose abgegeben haben, sondern die Wahlabsichten so genau wie möglich gemessen haben.

ZEIT: Das machen andere doch auch. Benutzen Sie in Frankreich ein unterschiedliches Umfrageverfahren?

Fourquet: Ja, die französischen Umfrageinstitute arbeiten mit der Quotenmethode. Unsere Befragten, egal in welcher Zahl, müssen nach fünf bis sechs Kriterien, also nach Geschlecht, Alter, Beruf, Größe des Wohnorts, Region und Bildungsniveau, repräsentativ für Frankreich sein. Das ist aufwendig. Unsere Kollegen in Großbritannien und den USA arbeiten dagegen mit der traditionellen Wahrscheinlichkeitsmethode. Die geht davon aus, dass eine zufällige Auswahl der Befragten ihre Repräsentativität garantiert.

ZEIT: Warum erheben die Franzosen anders?

Fourquet: Der Front National und die Familie Le Pen beschäftigen uns schon seit dreißig Jahren. Mit viel Geduld und neuer Empirie sind wir den Populisten und Anti-System-Wählern langsam auf die Spur gekommen. Ohne hochnäsig zu sein: Auf diesem Feld sind wir weiter als andere. Zum Beispiel machen wir nur noch Internetumfragen. Denn Wähler, die allein vor dem Bildschirm sitzen, sind eher bereit, zuzugeben, dass sie für Trump, für den Brexit oder für Le Pen stimmen wollen.

YouGov-Gründer Stephan Shakespeare - "Ohne Umfragen direkt vor der Wahl würden wir besser schlafen" Ob Donald Trump oder Brexit: Die Demoskopen lagen 2016 mehrmals daneben. Wie verlässlich sind Wahlumfragen noch und wie groß ist die Gefahr durch rechtspopulistische Kräfte in Europa?