Bei der Eröffnung der Kunstmesse Art Cologne am 25. April 2017 © Andreas Rentz/Getty Images

In den vergangenen Jahren wurde über die Art Cologne oft mehr oder weniger dasselbe geschrieben: Messedirektor Daniel Hug, seit 2008 im Amt, habe die Veranstaltung nach schlimmen Jahren erneut zu Deutschlands wichtigster Kunstmesse gemacht; noch ein bisschen mehr Glamour und Internationalität täten freilich gut, andererseits sei gerade die Bodenständigkeit doch sehr angenehm; das rivalisierende Berlin sei zwar jeweils zwei Wochen später im Frühjahr mit dem Gallery Weekend erfolgreich, besitze aber keine vergleichbare Kunstmesse mehr. Ansonsten keine besonderen Vorkommnisse, bis zum nächsten Jahr!

Vergangene Woche war alles anders. Die Riesenbaustelle des geplanten Stadtquartiers Messe-City vor dem Südeingang der Messehallen in Köln-Deutz wirkte wie ein Symbol: Hier geht es nicht mehr nur um Feinjustierung!

Mit ihrer 51. Ausgabe fand die Art Cologne zum ersten Mal in der gleichen Woche wie das Gallery Weekend statt, was im Vorfeld für Aufregung sorgte und einige wenige Berliner Galeristen von einer Teilnahme abhielt. Für die meisten Aussteller war es dann doch irgendwie zu schaffen, auch wenn sie schon nach zwei Tagen abreisten und den Stand ihren Mitarbeitern anvertrauten.

Vor allem beschäftigte die Kölner dieses Mal eine weitere messepolitische Konkurrenz- und Überlebensfrage: Rheinabwärts entsteht mithilfe der Schweizer Messegesellschaft MCH, die auch die Art Basel veranstaltet, die Art Düsseldorf. Sie soll jeweils im Herbst in den gleichen Teichen fischen wie die Kölner Traditionsmesse im Frühjahr. Man hat in Düsseldorf bereits ein namhaftes Auswahlkomitee aus Galeristen gewinnen können, die bezeichnenderweise auch an der Art Cologne teilnehmen. Erste Interessenten sollen sich bereits für einen Stand beworben haben.

Damit nicht genug: Die Art Cologne wird bei der schwächelnden Berliner Kunstmesse Art Berlin Contemporary einsteigen, die von September an schon Art Berlin heißen soll. Die frühe Bekanntgabe der noch nicht ausverhandelten Zusammenarbeit lässt sich als Antwort auf die Düsseldorfer Umtriebe verstehen: Man will den Herbsttermin besetzen.

Der Kunstmarkt im Rheinland hat viele Messen zu verkraften

Zu besprechen gab es also auf dieser Art Cologne genug. Kann aus der Art Düsseldorf wirklich eine Konkurrenz erwachsen, können ihre Macher das Vertrauen der Galerien gewinnen? Wie soll die Art Berlin in so kurzer Zeit organisiert werden, wie genau sieht das Kölner Engagement in der Hauptstadt aus? Wird die auf Gegenwartskunst beschränkte Berliner Messe nun auch einen Sektor für die Kunst der Klassischen Moderne bekommen – eines der Erfolgsrezepte der Art Cologne? Und was hat die mächtige Art Basel mit dem Ganzen zu tun?

Am Eröffnungstag seiner Messe warf Art-Cologne-Direktor Daniel Hug den Schweizern Kolonialismus vor, der kulturelle Vielfalt zerstöre. Der Berliner Galerist Johann König machte sich eher Sorgen, "dass die Art Basel ihre Marke verwässert". Der Schweizer Messemacher MCH ist indes darauf bedacht, genau zwischen den Verantwortlichkeiten zu unterscheiden – und enttäuscht damit auch etwaige Hoffnungen von Galeristen, die an der Art Düsseldorf teilnehmen, um sich auf diesem Wege auch einen Platz in Basel zu sichern. "Die MCH Group hegt keine Absicht, neben der Art Basel in Basel, Miami Beach und Hongkong eine weitere Art Basel zu entwickeln – weder aus sich selbst noch aus einer Beteiligung an einer regionalen Kunstmesse heraus", heißt es auf Anfrage. "Die Art Düsseldorf wird – wie die India Art Fair und mögliche weitere Beteiligungen der MCH Group – eine eigenständige Messe bleiben, mit ihrer eigenständigen Organisation, ihrer autonomen Brand und ihrer eigenen regionalen 'DNA'."