Millionen Menschen lieben Detektivgeschichten. Die männlichen Charaktere sind darin oft Helden des Scheiterns. Ihre Gesichter sind ungemacht und zerwühlt. Im Whiskyglas scheppern die Eiswürfel. Dann betritt eine Dame mit wagenradgroßem Hut die Szenerie und bittet um Hilfe. Der Detektiv Johann Fesl hat sich für solche Genreklischees noch nie interessiert. Er sei "Berufsdetektiv und nicht Privatdetektiv", sagt der 53-Jährige mit dem harten Blick und der bulligen Figur eines Boxers. Auf diesen feinen Unterschied legt er großen Wert.

Seit mehr als 20 Jahren wird Johann Fesl engagiert, um Menschen mit hohem Sicherheitsrisiko unbeschadet von einem Ort zum anderen zu bringen. Der gebürtige Innviertler ist Gründer und Inhaber der Firma Control-Pro mit Sitz in Mondsee bei Salzburg und Büros in Wien und Tel Aviv. Die Detektei ist Teil eines internationalen Netzwerks von Personenschutzprofis aus Israel, der Schweiz und osteuropäischen Ländern. Fesls Klientenliste ist lang und prominent: Er war als bewaffneter Schutzengel für Israels Staatspräsidenten Schimon Peres ebenso im Einsatz wie für Formel-1-Boss Bernie Ecclestone, für Popstar Elton John, für den ehemaligen Präsidenten der UdSSR Michail Gorbatschow oder für den Moskauer Oberbürgermeister Juri Luschkow.

Mittlerweile betreut Fesl seltener Prominente, die jeder kennt. Seine Klienten sind heute vor allem Manager aus dem Nahen Osten oder aus Ländern der ehemaligen Sowjetunion, die ein potenzielles Terrorziel sind und bei Reisen nach Europa beschützt werden wollen. In Asien werden oft Botschafter in die Luft gesprengt, im Nahen Osten und in Afrika Politiker oder Geschäftsleute entführt, und in den postsowjetischen Staaten werden immer wieder Wirtschaftstreibende erschossen. "Die Lebenserwartung von Managern ist in manchen Ländern der Welt erschreckend niedrig", sagt Fesl. Und wer um sein Leben fürchten muss, der ist bereit, tief in die Tasche zu greifen und mehrere Tausend Euro pro Tag für seinen persönlichen Schutz zu bezahlen.

Die Firmenzentrale im Salzkammergut ist nüchtern eingerichtet. Vor dem Haus stehen ein schwarzer Audi Quattro und ein silberner 67er Ford Mustang GT. Beide Autos gehören Johann Fesl. Er hat keine Frau an seiner Seite und ist überzeugter Single. Eine Tochter hat er, "die ist jetzt auch schon 30 und lebt in Amerika mit einem Rockmusiker zusammen", sagt er. "Ich sehe sie leider viel zu selten." Mehr will er über seine Familie nicht sagen. Er fürchtet, er könne sonst erpressbar werden und eine Schwachstelle bieten.

Auch sonst ist der "Sicherheitslogistiker", wie er sich nennt, immer darauf bedacht, nicht zu viel zu verraten. Schon gar nicht über seine Auftraggeber. Zuletzt wurde Fesl von einem Schweizer Touristikkonzern, der eine Hotelanlage in Kasachstan kaufen will, damit beauftragt, vor Ort die Besitzverhältnisse zu klären. Die Beratung von Firmen, Organisationen und Eventveranstaltern ist ein wichtiger Bereich der täglichen Arbeit. Selten, aber doch, ruft eine genervte Ehefrau an, die Beweise für den Seitensprung ihres Mannes haben möchte. Solche vergleichsweise kleinen Aufträge erledigen Fesls Mitarbeiter.

Wenn Johann Fesl ein Café betritt, dann ist er ganz da. Man merkt gleich: Der Detektiv hat seinen Körper mitgebracht und ist bereit, ihn einzusetzen. Er hat ein kantiges Gesicht, kraftvolle Hände, die zupacken können, und Schultern, die Verlässlichkeit ausstrahlen. Reden kann er, vor allem aber zuhören. Er spricht leise, bedächtig und druckreif, seine Blicke beobachten ständig die Umgebung. Kein Gast, der das Café betritt, bleibt unbemerkt.

Zum Geschäft mit der Sicherheit ist Fesl über Umwege gekommen. Hineingeboren in eine Arbeiterfamilie in Braunau am Inn, "gleich ums Eck von Hitlers Geburtshaus", schien das weitere Leben programmiert. Der Sohn lernte Maschinenbauer und Werkzeugmacher, so wie sein Vater. Doch bald wurde ihm klar: "Das kann nicht alles gewesen sein." Mit 17 rebellierte er und riss von zu Hause aus. Er machte eine Ausbildung zum Berufstaucher und begann, die Unterwasserwelt der Salzkammergut-Seen zu fotografieren.

Später arbeitete er als Fotoreporter für Bezirkszeitungen. Die Salzburger Szene grinste aufgekratzt in seine Kamera. Die hübschesten Mädchen zogen sich für ihn aus und standen kostenlos Modell. Bei Motorsportveranstaltungen lag Fesl mit seiner Kamera auf der Rennpiste, um das beste Bild zu bekommen. In Russland drang er ohne Probleme in die Schaltzentrale eines Atomkraftwerks ein und deckte mit seinem Bericht auf, wie leicht ein Terrorist das nachmachen könnte.