Wer oder was blickt einen hier an? Die siebenfenstrige Apsis einer Kirche? Es könnten auch Drahtgitterchen eines Toasters sein oder die blinzelnden Lider eines Schuppentiers. Oder Rollos, die etwas verbergen. In jedem Fall hat man an diesem Abend, an dem in Hamburgs Elbphilharmonie Mahlers Achte erklingt, etwas zu schauen – und das in vollem Traditionsbewusstsein. Vom Barock über die synästhetischen Experimente der frühen Moderne bis zu zeitgenössischen Interpretinnen wie Patricia Kopatchinskaja oder Hélène Grimaud gibt es viele Versuche, die Rituale der absoluten Musik aufzubrechen. In jüngster Zeit werden es wieder mehr – als trauten wir unseren Ohren immer weniger. Als gäbe es ohne Augenfutter kein sinnliches Begreifen. Was die Lichtkünstlerin Rosalie sich nun zu Mahlers monumentaler Musik ausgedacht hat, bleibt so dezent wie vielsagend. Es flackert und flirrt, mal in gedeckten, mal in fast giftigen Farben, bisweilen bleibt die Installation auch einfach schwarz. Oder es glimmt – zum "Chor der seligen Knaben" aus Faust II – ein einzelnes Segment in trügerischem Kobaltblau. Musikalisch zeigt sich die Aufführung souverän (Eliahu Inbal leitet das Hamburgische Staatsorchester nebst opulenten Chören und Solisten). Und so ist Rosalies Lichtskulptur am Ende vielleicht nichts anderes als ein Kondensat der irren, dämonischen Welt da draußen, 90 kurze, ergreifende Minuten lang besänftigt, ja befriedet.