Vierzig Jahre gibt es diese Auszeichnung nun schon, und es ist eine schöne Fügung, dass Peter Sartorius, 80, zu Gast ist an diesem Abend. Der ehemalige Reporter der Süddeutschen Zeitung erhielt 1977 den ersten Egon Erwin Kisch-Preis, für einen Artikel über Hochseefischerei. "Ich wollte das gar nicht machen", sagt Sartorius. "Ich habe eine Fischallergie."

Es ist dies der heiterste Moment an einem ansonsten ernsten Abend. Wie sagt Moderatorin Caren Miosga: "2016 war keine Champagnersause, sondern Essig." Mit dem Essig gemeint sind: Trump, Erdoğan, die Inhaftierung und Ermordung von Journalisten und Bloggern. Sigmar Gabriel, einer der Gastredner: "Die liberalen Demokratien sind in der Defensive." Das stimmt, aber die Medien, auch die bürgerliche Presse, profitieren davon. David Fahrenthold, Chefredakteur der Washington Post, gibt dies unumwunden zu: "Trump ist ein Geschenk. Es sind nun viel mehr Leute an Nachrichten interessiert."

News sind eine wichtige, aber inflationsanfällige Währung. Deshalb zahlt sich die vertiefte Recherche aus. Die ZEIT-Redakteurin Nicola Meier schildert in ihrem prämierten Stück das moralische Dilemma eines Pharmakonzerns; Amrai Coen und Tanja Stelzer, ebenfalls Redakteurinnen dieser Zeitung, sprachen mit den Überlebenden des Terrorattentats in Brüssel. In ihrer mit dem Kisch-Preis prämierten Reportage verdichten sich Zeitgeschichte, politische Analyse und Menschenkunde zu einer bewegenden Geschichte. Diese Dialektik verblüfft immer wieder: dass im Schrecken die Schönheit der Erzählung wohnt.