Alfred Dorfer © Peter Rigaud

Es sollte einmal ein Turm gebaut werden, gewaltig, mit einer Spitze so hoch, dass sie bis in den Himmel ragt. Und alle Grünen sprachen mit einer Zunge und gebrauchten die gleichen Worte, die ihre Anführer vorgegeben hatten. Doch plötzlich wurden Stimmen laut, der Turm sei zu hoch, er sei ein Zeichen von Überheblichkeit. Zudem verstellte er den Blick auf das Häusermeer. Worauf die kleinen Götter der Unesco drohten, der lebenswerten Musterstadt das Prädikat Weltkulturerbe zu entziehen. Sie stiegen von ihrem Olymp herab, um die Sprache der Grünen zu verwirren, auf dass keiner mehr den anderen verstehe. Das trat zutage bei einer Urabstimmung, die babylonisch war. Und fortan herrschte Trübnis in den Gedanken der Grünen und in ihren Worten Düsternis. Da verkündete ihre Chefin, man solle "Äpfel und Birnen nicht in einen Topf werfen". Da war klar, dass der Brunnen so lange zum Kreuze geht, bis es bricht. Und vor allem sei das Eis zu schmelzen, solange es noch heiß ist. Das wiederum gefiel den Vertretern des benachbarten Eislaufvereins gar nicht. Sie bewahrten kühlen Kopf in der allgemeinen Verwirrung und fragten: Wäre es nicht klüger, zuerst abzustimmen und dann erst zu entscheiden? Unsinn, wer zuletzt lacht, der grünt erst grün. So begab es sich, dass man die Höhe des Turmes verringern wollte, als Zeichen dafür, dass die Hoffärtigkeit nicht in den Himmel wächst. Doch die Baumeister des Turms blieben unerbittlich. Und so verwirrte sich die grüne Sprache immer weiter: "Wir versuchen, uns nicht gegenseitig in die Gosch’n zu hauen." Wie heißt es doch am Schluss der Parabel? Darum nannte man die Stadt Babel, was so viel wie Wirrsal heißt. Denn dort wurde die Sprache verwirrt, und von dort aus wurden die Grünen zerstreut über das ganze Erdenrund.