Bis mittags in der Schule lernen und dann weiter zur Nachhilfe gehen: Das ist ganz schön anstrengend! Klar, dass viele Kinder das erst einmal nervig finden. Doch auch Erwachsene ärgern sich über Nachhilfe, obwohl sie ja gar nicht selbst hinmüssen.

Streit gibt es, weil einige finden, dass Nachhilfe ungerecht sei. Nur bestimmte Kinder bekommen nämlich diese Unterstützung. Forscher haben gerade nachgezählt: Mehr Kinder aus reicheren Familien gehen zur Nachhilfe. Klar, die kostet meist Geld, eine Stunde zwischen 6 und 30 Euro. Und das kann sich nicht jede Familie leisten. Wenn ein Kind aus einer ärmeren Familie in der Schule etwas nicht versteht und die Eltern es auch nicht erklären können, hat es deshalb oft einfach Pech gehabt. Dann gibt es eine schlechte Note. Ein Kind aus einer reicheren Familie hingegen kann den Stoff bei der Nachhilfe wiederholen – und sich noch verbessern.

Kann man gegen diese Ungerechtigkeit denn nichts tun? Doch, sagen Lernforscher. Es muss eben für alle Kinder möglich sein, Unterstützung zu bekommen. In manchen Schulen gibt es solche Angebote schon: Kinder können einen kostenlosen Förderunterricht besuchen, wenn sie nicht so gut mitkommen, oder jemand hilft bei den Hausaufgaben. Manchmal bezahlt auch der Staat den Nachhilfeunterricht. So muss es öfter laufen, sagen die Forscher.

Denn man kann an der Nachhilfe auch einiges Gutes entdecken: Die Kinder lernen meist in kleineren Gruppen, in denen ihnen jemand die Mathe- oder Grammatikregeln für sie passend und mit genügend Zeit erklärt. Oft sind die Nachhilfelehrer selbst noch Schüler, die gute Lerntricks verraten können. Selbst stille Schüler trauen sich hier eher mal nachzufragen, wenn sie etwas nicht verstehen. Und viele Kinder erleben dann eine Überraschung: dass Lernen zwar anstrengend ist, aber auch Spaß machen kann.

Zeyneb, 9 Jahre, 3. Klasse:

Meine Cousine hat mich auf die Nachhilfe gebracht. Sie hatte zuerst welche, und ihr hat es geholfen. Meine Mutter hat nicht immer Zeit, um mit mir zu lernen, weil sie viel arbeiten muss. Bei der Nachhilfe übe ich Rechtschreibung in Deutsch und Kopfrechnen in Mathe. Das kann ich nicht so gut. In meiner Nachhilfegruppe lachen wir oft, deshalb gehe ich gerne hin. Ich finde es gut, dass mein Nachhilfelehrer mir alles erklärt. In der Schule traue ich mich manchmal nicht zu fragen, weil da so viele andere Kinder sind. Bei der Nachhilfe sind wir nur fünf. Ich fände es besser, wenn die Schule so wäre wie Nachhilfe – weniger Kinder und mehr Zeit zum Erklären.

Ben, 10 Jahre, 4. Klasse:

Beim Aufstehen habe ich manchmal richtig gute Laune. Dann kommt meine Mutter und sagt: "Ben, denk dran, du hast heute Nachhilfe!" Und schon ist der Spaß vorbei. Ich würde mich nach der Schule einfach lieber mit Freunden treffen. Aber als ich eine Fünf in Mathe hatte, haben meine Eltern entschieden, dass ich zur Nachhilfe muss. In der Schule werde ich oft abgelenkt, bei der Nachhilfe ist es ruhiger. Vier Seiten Mathe soll ich dort schaffen. Was ich nicht fertigkriege, muss ich zu Hause machen. Da bin ich sowieso am schnellsten. Ich sitze bei uns in der Essecke, mein Bruder lässt mich in Ruhe, und wenn ich Hilfe brauche, frag ich meine Eltern. Am liebsten würde ich ja gar nicht lernen, aber wenn ich schon muss, dann finde ich es zu Hause am besten.

Viktoria, 12 Jahre, 6. Klasse:

Ich wollte selber Nachhilfe. Meine Eltern fanden das erst etwas komisch: Welches Kind will schon freiwillig zur Nachhilfe? Ich bin nicht die beste Schülerin, habe viele Dreien und Vieren. Ich will meine Noten verbessern, damit meine Eltern stolz auf mich sind. Und auch für mich selbst. Ich bekomme Nachhilfe in Englisch, Mathe und Deutsch. In der Schule kann ich mich nicht gut konzentrieren. Oft streite ich mich mit meinen Lehrern. Und wenn es in der Klasse richtig laut ist, verstehst du gar nichts. Mit meinen Eltern lerne ich nicht oft. Sie können nicht so gut Deutsch, deshalb. Meine Mutter spricht etwas besser Deutsch als mein Vater, aber sie ist schon genug mit meinem kleinen Bruder beschäftigt. Bis zu den Zeugnissen will ich mich noch verbessern. Jetzt ist noch genug Zeit, das will ich ausnutzen.