Norwegen ist super. Trotz des rauen Klimas ist es ein Sehnsuchtsland. Mit Norwegen lässt sich fast alles verkaufen. Erstens: Kreuzfahrten. Zig Werbefilme und Reisereportagen zeigen den Zauber der Westküste und wie eng die Postschiffe der Hurtigruten an den Felswänden der Fjorde vorbeifahren.

Zweitens: Handcreme. Die mit der "norwegischen Formel". Zwar sind Formeln streng genommen staatenlos, aber unterstellen wir mal, dass das Volk der Fischer und Ölarbeiter schon weiß, wie’s geht. Nicht ohne Grund leben in Norwegen die glücklichsten Menschen der Welt (Platz 1 im World Happiness Report) und nach den Neuseeländern obendrein die wohlhabendsten (Platz 2 in einem dieser Rankings, die Bewohner anderer Länder zu mehr Leistung antreiben sollen). Verglichen mit Norwegern, sind die Deutschen unglücklich (Platz 16) und arm (Platz 11). Vielleicht erklärt das die Sehnsucht. Obwohl es im hohen Norden trotz der schönen Landschaft oft regnet und man wegen der Fjorde ständig auf eine Fähre warten muss. Reden Norweger vom Urlaub im Süden, meinen sie Dänemark.

Drittens: Bekleidung. Das Logo der Outdoorfirma Napapijri verwendet die norwegische Flagge, nach eigenen Angaben wegen der "engen Verbindung zur Identität der Marke". Die besteht darin, dass man in Norwegen auch draußen sein kann. Erfunden wurde Napapijri nämlich in der Nähe des Montblanc (von Oslo aus gesehen noch viel südlicher als Dänemark), "wo ein italienischer Hersteller von Reisetaschen Outdoorbekleidung mit einer neuen Sensibilität begegnet" ist. Sensible Italiener statt rauer Norweger, wer hätte das gedacht? Wo die Kleidung produziert wird, will man nicht wissen, das Wort Napapijri stammt aus dem Finnischen, und gehören tut das alles einem Konzern aus dem US-Bundesstaat North Carolina. Wo man genau weiß, wie gern die Leute für die Illusion zahlen, dass es woanders noch schöner ist als zu Hause.