DIE ZEIT: Herr Professor Laffer, der amerikanische Präsident Donald Trump will die Steuern senken. Halten Sie das für eine gute Idee?

Arthur Laffer: Natürlich ist das eine gute Idee. Die Leute gehen schließlich nicht arbeiten, um Steuern bezahlen zu können. Sie gehen arbeiten für den Lohn, der ihnen übrig bleibt, wenn sie ihre Steuern bezahlt haben. Wenn man die Steuern senkt, bleibt mehr Geld übrig. Dann arbeiten sie härter, beginnen vielleicht eine Ausbildung oder ein Studium. Das Ergebnis ist immer dasselbe: Das Wirtschaftswachstum steigt. Und das ist gut für alle.

ZEIT: Und wo bitte sollen sie studieren, wenn die Schulen und Universitäten verfallen, weil der Staat wegen der Steuersenkungen nicht mehr genug Geld hat?

Laffer: Wieso sollten sie verfallen? Ich habe nicht gesagt, dass die Steuern auf null gesenkt werden sollten.

ZEIT: Aber so etwas Ähnliches hat Donald Trump vor. Er will unter anderem den Steuersatz für Unternehmen von 35 auf 15 Prozent senken. Das entspricht einer Reduzierung um rund 60 Prozent.

Laffer: Und daraus schließen Sie, dass auch die Steuereinnahmen um 60 Prozent zurückgehen? Das ist die Logik eines Buchhalters. So funktioniert Ökonomie nicht. Die Wirtschaft passt sich an. Es gibt in den USA viele Unternehmen, die so gut wie keine Steuern bezahlen. Warum? Weil sie sehr viel Geld für Steuerberater und Rechtsanwälte ausgeben. Wenn der Steuersatz sinkt, dann rechnet sich das auf einmal nicht mehr.

ZEIT: Und dann steigen wie von Zauberhand die Steuereinnahmen?

Laffer: Ich war noch nicht fertig. Stellen Sie sich vor, die Welt besteht aus zwei Ländern: Land A und Land B. Folgen Sie mir noch?

ZEIT: Noch geht es.

Laffer: Wenn Land A die Steuern senkt, was geschieht dann mit den Unternehmen in Land B?

ZEIT: Sie wandern in Land A ab, um Steuern zu sparen?

Laffer: Genau. In den Vereinigten Staaten wurden die Unternehmensteuern zum bisher letzten Mal vor 30 Jahren gesenkt, während um uns herum die Unternehmen seither weiter entlastet wurden. Wir hatten einmal einen der niedrigsten Steuersätze unter den Industrienationen, heute haben wir einen der höchsten. Das hat dazu geführt, dass unsere Konzerne ihren Unternehmenssitz ins Ausland verlagern. Wenn wir also nun die Steuern senken, dann werden diese Unternehmen zurückkehren. Und Sie wollen mir sagen, dass dadurch unsere Steuereinnahmen zurückgehen? Das ist verrückt! Ich sage Ihnen etwas anderes: Wir werden nicht weniger, sondern mehr Geld einnehmen. Wir werden mit Geld überschwemmt werden.

ZEIT: Warum bezeichnen dann Experten wie Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman den Plan von Donald Trump als "Voodoo-Ökonomie" und sagen voraus, dass die Staatsverschuldung explodiert?

Laffer: Was glauben Sie?

ZEIT: Krugman argumentiert, dass Trump vor allem die Reichen entlastet und die das Geld nicht ausgeben. Deshalb würden die Steuersenkungen verpuffen.

Laffer: Verpuffen (lacht). Warum nehmen wir den Reichen dann nicht gleich ihr gesamtes Einkommen weg und geben es den Armen? Ich sage Ihnen, warum. Weil dann am Ende alle arm sind und sich niemand mehr anstrengt. Es kommt auf die Anreize an. Wer schafft denn Arbeitsplätze? Das sind die Unternehmer. Sind Sie jemals von einem Armen eingestellt worden? Wahrscheinlich nicht. Das wollt ihr Liberalen einfach nicht verstehen.

ZEIT: Wenn ich schon eine Milliarde habe, ist es dann wirklich so wichtig, ob der Staat vom zusätzlichen Verdienst 15 oder 35 Prozent nimmt? Der Großinvestor Warren Buffett hat gesagt, er würde gerne mehr Steuern bezahlen.

Laffer: Warren Buffett! Das Einkommen von Warren Buffett beträgt – wenn man richtig rechnen würde und den Wertzuwachs seiner Unternehmensanteile einbezieht – etwa 13 Milliarden Dollar. Ich habe mir die Zahlen angeschaut. Beim Finanzamt hat er ein zu versteuerndes Einkommen von 30 Millionen Dollar angegeben. Und an Steuern bezahlt hat er sieben Millionen Dollar. Glauben Sie wirklich, Warren Buffett würde mehr Steuern bezahlen, wenn die Steuersätze steigen? Er ist smarter als Sie! Er hat die besseren Anwälte und die besseren Steuerberater. Wachen Sie auf! Paul Krugman hat eine politische Agenda. Hier geht es nicht um Politik, sondern um Ökonomie, um Daten und Fakten.

ZEIT: Fakt ist: Nach dem Zweiten Weltkrieg betrug der Spitzensteuersatz in den USA 90 Prozent. Trotzdem ist die Wirtschaft damals gewachsen.

Laffer: Natürlich ist die Wirtschaft gewachsen. Aber dann hat John F. Kennedy die Steuern gesenkt, und sie ist noch schneller gewachsen. Dann ist viele Jahre lang nichts geschehen, und dann hat Ronald Reagan sie weiter gesenkt, und die Wirtschaft ist wieder schneller gewachsen. Und wenn die Wirtschaft wächst, dann steigen die Löhne und Gehälter, und dann steigen auch die Steuereinnahmen.