Anita Fetz ist SP-Ständerätin in Basel. © privat

Rhesusaffen gelten in einigen Weltgegenden als heilig, bei uns wecken sie Begehrlichkeiten. Die Uni und die ETH Zürich wollen an ihnen Tierversuche durchführen, um daraus neue Erkenntnisse über Schizophrenie und Depressionen zu gewinnen. "Mit fixiertem Kopf werden die Affen gezwungen, jeden Tag während Stunden mit den Augen Aufgaben an einem Bildschirm zu lösen", beschreibt der Zürcher Tierschutz das Experiment – und geht juristisch gegen die Bewilligung vor. Aber die Richter befinden, das Experiment sei zu erlauben, weil der Nutzen für die Menschen höher zu gewichten sei als die Belastung für die Affen. Ein Urteil auf dem Buckel unserer evolutionären Cousins, die nach drei Jahren getötet werden. Man kann gar nicht so lange duschen, wie einen diese Geschichte ekelt. Forschungsgelder für Tiersklaven?

Kühe gehören in Indien zu den heiligen Tieren. In der Schweiz sind sie Nutztiere, die Bauern sollen sie einfach anständig halten. Das versteht sich von selbst. Tut es aber doch nicht. Vor einigen Jahren hat ein Thurgauer Bauer seine Tiere derart schlecht behandelt, dass das Bundesgericht ihn als Tierquäler verurteilte. Trotzdem sprach es ihm das Recht zu, Direktzahlungen zu erhalten. Subventionen für Tierquäler? Mein unterdessen verstorbener Kollege This Jenny schäumte vor Wut – und brachte im Ständerat eine Motion durch, die diese Ungeheuerlichkeit künftig verhindern sollte. Der Bundesrat hat sie nun umgesetzt. Bei Verstößen gegen den Gewässerschutz-, die Umwelt- oder Tierschutzbestimmungen können seit zwei Jahren die Direktzahlungen gekürzt werden.

Genau das ist einem Aargauer Bauern passiert. Dazu muss man wissen: Kühe haben bei uns das Recht auf jährlich 90 Tage Auslauf, mindestens einmal alle 14 Tage. Laut Gericht hat besagter Bauer sogar dieses schäbige Minimum nicht eingehalten – und es gibt gewichtige Indizien, dass das Auslaufjournal falsch geführt wurde. Im Klartext: Das war kein kleines "Malheur", wie eine Zeitung ihre Leser glauben machen wollte, das war ein Missbrauch. Die Tiere waren wochenlang im Stall angebunden. Für Kühe und ihre Wesensart ist das die Höchststrafe, diese Haltung als Tiersklaven.

Das weiß eigentlich auch der oberste Schweizer Bauer, der sonst gerne behauptet, der ökologische Leistungsnachweis sei die Grundlage für einen Anspruch auf Direktzahlungen. Aber ohalätz: Anstatt den Bauern fürs Schummeln zu kritisieren, findet er nun, so etwas sei doch nur ein "geringfügiges Vergehen". Und er fordert auch noch Mitleid: So würden Leute in den Ruin getrieben.

Ehrlich gesagt, Mitleid habe ich in diesem Fall schon – aber ganz sicher nicht mit solchen Bauern. Sondern mit ihren Tieren. Und mit uns Konsumentinnen, die teures Schweizer Fleisch kaufen, weil uns die tiergerechte Haltung etwas wert ist. Sie werden angeschmiert.

Der Bauerngeneral hat bei mir etwas erreicht, was noch niemand geschafft hat: Ich habe schlagartig alle Vegetarier und Veganer verstanden.