Fabrice Roger-Lacan ist der Enkel des berühmten Psychoanalytikers Jacques Lacan, und wie sein Großvater ("Es gibt keinen Geschlechtsverkehr") hat der Dramatiker Spaß an der Provokation.

In seinem Stück Unwiderstehlich hegt die Frau eines Strafverteidigers ein Faible für einen berühmten Schriftsteller. Sie lektoriert sein neues Buch und findet ihn, genau wie 227 andere Frauen, die der Schriftsteller vernascht haben soll, im Grunde ihres Herzens unwiderstehlich. Eine Avance des Schriftstellers schlägt sie dennoch aus: Für sie ein Beweis, wie sehr sie ihren Mann liebt. Der sieht die Sache anders: "Weißt du eigentlich, wie sehr du mich beleidigst, wenn du nicht mit ihm zum Essen gehst?"

Regisseur Antoine Uitdehaag hat Unwiderstehlich als klassisches Kammerspiel inszeniert, die Bühne erscheint als Pariser Appartement des gehobenen Bürgertums. Darin umkreisen sich die Schauspieler Anika Mauer und Boris Aljinovic, in Bewegung gehalten vom unsichtbaren Dritten, dem Schriftsteller. Am Rande geht es um einen weiteren Unsichtbaren. Denn wenn der Anwalt nicht gerade seine Frau zu überführen trachtet, feilt er an einem Plädoyer zur Verteidigung eines Mexikaners. Der soll seine Frau verspeist haben – aus Liebe, wie der Anwalt glaubt.

Eine Art Ménage-à-trois, ein wenig Groteske, eine Prise Sprachphilosophie: Das sind bekannte Zutaten des französischen Gesellschaftsstücks. Sie machen den Abend zu einer leichten, aber nicht allzu leichten Delikatesse.

Weitere Aufführungen: 4., 5., 6., 8., 9., 11., 12. Mai, 20 Uhr; 7. Mai 19.30 Uhr