Der erste öffentliche Auftritt, den Barack Obama als Ex-Präsident nach seinem Abschied aus dem Weißen Haus Ende Januar hatte, war vergangene Woche eine Rede vor Studenten in Chicago. Darin mahnte er seine jungen Zuhörer, sich sozial zu engagieren und den Versuchungen des Individualismus zu widerstehen.

Statt mit der Ansprache seinen Ruf als Kämpfer für soziale Gerechtigkeit zu bekräftigen, als Gegenbild zum jetzigen Präsidenten Donald Trump, hagelte es jedoch Kritik und Häme. Denn kurz zuvor war bekannt geworden, dass Obama für einen geplanten Vortrag vor Investmentbankern ein Honorar von 400.000 Dollar kassiert. Obama sei der neue "fette Kater" an der Wall Street, ätzte der konservative Sender Fox Business News und spielte damit auf ein Zitat des ehemaligen demokratischen Präsidenten an, der in seiner Amtszeit die Banker einmal auf diese Weise beschimpft hatte. Selbst die ihm sonst sehr wohlgesinnte New York Times bemerkte pikiert, Obama sei offenbar der "Versuchung" des Geldes erlegen.

Zuvor hatten der Ex-Präsident und seine Frau Michelle bereits Schlagzeilen gemacht, weil der Verlag Penguin Random House den beiden laut Financial Times angeblich einen Vorschuss in Höhe von mehr als 60 Millionen Dollar für ihre Erinnerungen zahlen will. Das wäre die bisher höchste Summe, die ein Verlag für die Memoiren eines ehemaligen US-Präsidenten hingeblättert hat. Angesichts dieses Honorars scheinen die 400.000 Dollar der Investmentbanker geradezu läppisch.

Barack Obama - Der Sofabefehlshaber In den USA wurde schon ein paar Mal darüber diskutiert, was Barack Obama nach seiner Amtszeit machen wird. Ein paar Ideen gibt es bereits.

James Thurber, ein Historiker und Experte für Ethik an der American University in Washington, fragt sich, warum Obama das alles tut: "Warum riskiert er dafür seinen Ruf?" Der Ethik-Experte ist enttäuscht, dass Obama offenbar keine Ausnahme ist. Denn er wäre nicht der erste Ex-Präsident, der sein früheres Amt in eine sprudelnde Geldquelle verwandelt.

Als Bill und Hillary Clinton 2001 das Weiße Haus verließen, waren sie hoch verschuldet. Die Rechtsanwaltskosten für das gescheiterte Amtsenthebungsverfahren gegen Bill Clinton, das die Republikaner nach seiner Affäre mit der Praktikantin Monica Lewinsky eingeleitet hatten, hatten die Clintons um ihr Vermögen gebracht. Doch inzwischen verfügen die beiden nach Schätzungen der American University in Washington über bis zu 75 Millionen Dollar. Mehr als 150 Millionen Dollar sollen sie allein mit Vorträgen verdient haben, so eine Analyse des Nachrichtensenders CNN. Davon gingen allerdings Millionen an Steuern, für ihre Schulden sowie Spenden an die Familienstiftung ab. Außerdem verschlangen die beiden Wahlkämpfe von Hillary Clinton für Präsidentenwahlen 2012 und 2016 Millionenbeträge. Im Schnitt nimmt Bill Clinton laut CNN 200.000 Dollar pro Auftritt. Seine Frau geriet im Wahlkampf wegen Vorträgen vor Mitarbeitern der Investmentbank Goldman Sachs in die Kritik.

Anders als die Clintons, die als Wall-Street-freundlich gelten, hat Obama die Finanzindustrie wiederholt angegangen. "Ich bin nicht angetreten, um fetten Wall-Street-Bankern zu helfen", sagte er nach seiner Amtsübernahme 2009. Nun aber lässt er sich von genau diesen Bankern bezahlen.

Lance Strate, Professor für Kommunikationswissenschaften an der New Yorker Fordham University, hält bezahlte Reden für ethisch problematischer als Bücher. "Das wird unvermeidlich als Transaktion gesehen, bei der das positive Image des Präsidentenamtes sich auf den Auftraggeber überträgt", sagt er. Auf den Inhalt komme es da gar nicht an.

Ronald Reagan machte den Anfang

Dabei sind ehemalige US-Staatsoberhäupter nicht darauf angewiesen, sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Seit 1958 gibt es ein Gesetz, das den Ex-Präsidenten eine Pension von derzeit 200.000 Dollar jährlich garantiert sowie Personenschutz und den Unterhalt eines persönlichen Büros.

Doch offenbar reicht das den hochrangigen Pensionären nicht. Richtig begonnen hat die Vermarktung der Präsidentschaft mit Ronald Reagan. Er ließ sich nach seiner Amtszeit von einem japanischen Telekom-Unternehmen für Auftritte anheuern. Die Gage: zwei Millionen Dollar. Reagan kam dafür in die Kritik, weil er als Präsident die Japaner als unfaire wirtschaftliche Konkurrenten der USA attackiert hatte.

Noch erfolgreicher war George W. Bush. Er verdiente 30 Millionen Dollar mit Vorträgen. Bei einer Ansprache vor der Bowling Association verkündete er zum Beispiel, Bowling mache Spaß. Bush ließ auch wenig Zweifel daran, warum er als Redner durch die Lande tingelte: "Zeit, die alten Koffer wieder aufzufüllen", sagte er nach seinem Amtsende.