Meeresbiologen der amerikanischen Woods Hole Oceanographic Institution ist es gelungen, mit einer neuen Methode zwei Wale in der Karibik zu verfolgen." So lautete eine Meldung, als das Wissen-Ressort der ZEIT 1992 zum ersten Mal erschien. Die Forscher hatten den Walen kleine Kapseln in die Rückenflossen geschossen, die dann einige Wochen lang Schallsignale abgaben. Diese Signale konnten per Messgerät geortet werden. So hoffte man, bald die Frage zu klären, wer denn nun tiefer tauche, Wale oder See-Elefanten. Letztere hielten nämlich damals den Tiefenrekord von 1.575 Metern.

Seitdem ist viel passiert: Tatsächlich konnten die Woods-Hole-Forscher mit ihrer Methode zeigen, dass wohl doch Wale die am tiefsten tauchenden Meeressäuger sind. Bis auf knapp 2.000 Meter Tiefe ließen sich ihre Signale verfolgen. Aber im Jahr 2014 wurde dieser Rekord noch einmal gewaltig übertroffen: Forscher um David Moretti, der für die amerikanische Marine arbeitet, schossen acht Cuvier-Schnabelwalen jeweils einen kleinen Rekorder in die Rückenflosse, der über mehrere Monate die Daten ihrer Tauchgänge per Satellit übermitteln sollte. Gleich zwei Rekorde konnten die Forscher danach verzeichnen – den mit zwei Stunden und 18 Minuten längsten bisher gemessenen Tauchgang eines Meeressäugers sowie die tiefste Tiefe (2.992 Meter).

Zum Vergleich: Die Weltrekorde menschlicher Apnoe-Taucher liegen bei elfeinhalb Minuten Dauer und einer Tiefe von 214 Metern. Wie schafft es ein Wal, der ja auch durch die Lungen atmet, zwölfmal so lange unter Wasser zu bleiben und vierzehnmal so tief zu tauchen? Herrscht doch dort unten ein Druck, der 300-mal so groß ist wie der an der Oberfläche. Die Wale verfügen über eine Technik, ihre Lunge fast vollständig zu entleeren und sie kollabieren zu lassen. Um ihren Körper und vor allem ihr Gehirn trotzdem länger als zwei Stunden mit Sauerstoff zu versorgen, nutzen sie zwei chemische Speicher: Hämoglobin, das in den roten Blutkörperchen steckt, und Myoglobin, die Substanz, die das Muskelfleisch dunkelrot färbt. Von beiden haben Wale erheblich mehr als wir Landsäuger.

Solche Forschungen werden indessen nicht in erster Linie betrieben, um immer neue Rekorde verzeichnen zu können. Das Verhalten der Meereskolosse birgt noch viele Rätsel. Zum Beispiel dachte man lange Zeit, dass Wale aufgrund ihrer Fähigkeit, die Lunge zu entleeren, nicht anfällig seien für die sogenannte Taucherkrankheit, die Menschen befällt, wenn sie zu schnell auftauchen. Dabei bilden sich aufgrund des plötzlich nachlassenden Drucks Gasbläschen im Blut, was tödlich enden kann. Bei vielen gestrandeten Walen findet man aber Anzeichen dafür, dass sie just an dieser Taucherkrankheit eingegangen sind. Es wird vermutet, dass das Sonar militärischer Schiffe und U-Boote die Tiere verschreckt und sie dann zu schnell auftauchen.

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