Aus der Schweiz stammt das ganz Andere. Mit seinem schwarz glänzenden Körper, dem nach hinten spitz zulaufenden Schädel, dem Reptilienschwanz und spindeldürren Gliedmaßen. So hat der Churer Künstler Hansruedi Giger Ende der siebziger Jahre jenes Wesen gestaltet, das im Kino zum Archetyp des absolut Fremden werden sollte – und auch so heißt. Alien .

Jenes "unheimliche Wesen aus einer fremden Welt" (so der Untertitel des ersten Alien-Films) kehrt nun zurück. Ab der kommenden Woche wird Alien: Covenant den Kinofans Stoff für ausführliche Exegesen bieten. Denn die Handlung des neuen Films verbindet die des bislang jüngsten Teils der Reihe (Prometheus, 2012) mit jener des Ur -Alien von 1979. Fast vier Jahrzehnte umfasst die Reihe dann.

Interessant ist sie nicht nur aus cineastischer, sondern auch aus wissenschaftlicher Perspektive.

Evolutionspsychologen zum Beispiel werden unschwer erkennen, was für urzeitliche Reflexe das Monster anspricht. Der von Giger ersonnene Parasitenzyklus des Wesens (vom Ei über ein klebrig-anhängliches Zwischenstadium und den im menschlichen Wirt heranreifenden Brustkorb-Durchbrecher bis zum ausgewachsenen Xenomorph) weist so ziemlich alles auf, wovor der Mensch sich im Lauf seiner eigenen Evolution zu ekeln gelernt hat. Es ist schleimig, spinnenartig, reptilienhaft und schließlich gleich mit einem doppelten Raubtiergebiss versehen. Das Ganze, schemenhaft in Dunkelheit inszeniert, weckt Urängste wie aus dem Lehrbuch.

Aus ökonomischer Sicht wiederum lehrt die Reihe beispielhaft, nach welch kapitalistischer Logik in Hollywood erfolgreiche Geschichten immer weiter ausgewalzt werden: per Fortsetzungen (Sequels), Vorläufer (Prequels) oder Abspaltungen (Spin-offs). Im vergangenen Jahr landete die Alien-Reihe in einer Auswertung der Los Angeles Times auf Platz 21 der "stärksten Filmreihen", gemessen am weltweiten Kinoumsatz von 1,3 Milliarden US-Dollar. Für Filmschaffende muss zumindest ambivalent klingen, was die Analyse als besondere Stärke dieses "Franchise" hervorhob: "Das wichtigste Element ist das Monster, die Schauspieler sind total austauschbar." Und das bedeutet wohl: fortsetzbar ad infinitum, zumindest ad nauseam.

Für interpretationsfreudige Kulturwissenschaftler wiederum liefert Covenant ergiebigen Nachschub. Denn so, wie die Figur des Aliens den Archetypus des gefährlichen Außerirdischen verkörpert, steht die Filmreihe Alien archetypisch für das Genre Science-Fiction. Sowenig fiktive Monstergeschichten über die Zukunft (oder das Weltall) aussagen können, so viel verraten sie über die Gegenwart (und die Welt), in der sie geschaffen wurden. Jeder Alien-Teil verarbeitet die Angst seiner jeweiligen Zeit: vom Wettrüsten in den Siebzigern über die Aids-Angst der Achtziger zur Bioethik-Debatte der neunziger Jahre (siehe Leiste unten). Vor der Premiere von Alien: Covenant betont Regisseur Ridley Scott nun ein aktuelles Motiv, die Angst vor außer Kontrolle geratener künstlicher Intelligenz. Kunst katalysiert die Ängste der Gegenwart. So weit, so Popkultur.

Aber wer hätte gedacht, dass auch Astronomen mit ihren Ängsten hadern, mit ihrem Unwissen angesichts der Dunkelheit und der Unwägbarkeit, was oder wer sich wohl darin verstecken könnte? Und das im Ernst.

Sobald ein Gespräch sich um mögliche außerirdische Zivilisationen dreht, nimmt es einen recht eigentümlichen Verlauf. Einerseits geht es augenscheinlich um einen ziemlich unwahrscheinlichen Gegenstand. Andererseits wäre jeder Hinweis auf eine fremde Intelligenz eine historische Zäsur mit unabsehbaren Folgen. "Low probability, high impact" nennen Risikoforscher solche Joker-Ereignisse: unwahrscheinlich, aber dramatisch. Die Massenpsychologie beziehungsweise -hysterie wäre nicht abzusehen. Nur eines ist sicher, selbst wenn eine außerirdische Botschaft nur aus einer kryptischen Pulsfolge bestünde: Sofort ginge das Kopfkino los. Schließlich haben wir alle unsere Vorstellungen. "Ein besonders wichtiger Teil dieser mentalen Repräsentation sind populäre Science-Fiction-Filme, die den Erstkontakt zeigen", schreibt der Sachbuchautor Daniel Gerritzen in Erstkontakt, einer lesenswerten Zusammenfassung des Diskussionsstandes. Keine Frage, das alles wäre viel spannender als jede Science-Fiction. Wäre.