Die beiden bekanntesten Gesichter der Demokratischen Partei melden sich in der amerikanischen Öffentlichkeit zurück – und enttäuschen auf ganzer Linie. Nach drei Monaten Dauerferien in der Karibik akzeptiert Barack Obama 400.000 Dollar für eine Rede, die er auf der Konferenz einer Wall-Street-Firma halten wird. Und Hillary Clinton sitzt auf dem Podium einer Frauenkonferenz und sagt: Ich bin für meine Wahlniederlage nicht verantwortlich. Putin und der FBI-Chef Comey sind schuld.

In den Tagen darauf ging ein regelrechter Wutsturm durch das linke Amerika. Bernie Sanders, der Clinton im Kampf um die Kandidatur unterlegen war, fand Obamas Verhalten "geschmacklos", und die linke Senatorin Elisabeth Warren zeigte sich "besorgt", das viele Geld zerstöre die Demokratie.

Clinton hat dabei auf ihre Wahlniederlage im Grunde nur reagiert wie auf jede andere Krise in ihrem Leben – mit einem Angriff auf den Gegner. So ist sie zu der eisernen Politik-Maschine geworden, die sie nun mal ist. Dies steht zwar nicht im Widerspruch zu ihrem Kampf für eine verpflichtende Krankenversicherung. Und auch Obama ist sich und den Werten der Partei nicht untreu geworden. Nach seinen Ferien traf er sich in Chicago mit gefährdeten Jugendlichen und kündigte an, zwei Millionen Dollar für Jugendprogramme zu spenden.

Und doch hat die Erregung über Obamas und Clintons Verhalten ihren guten Grund. Für die Demokraten waren mit Obama alle Wünsche in Erfüllung gegangen. Er war gebildet, großstädtisch, cool und schwarz. Die Demokraten liebten das Gefühl, das Obama in ihnen erzeugte, diese prickelnde Mischung aus moralischer Überlegenheit und politischer Macht. Clinton sollte dieses Gefühl als erste Frau im Weißen Haus verlängern.

Dass Obama nun mit dem Steueroasen-Milliardär Richard Branson Kitesurfen geht und wie fast alle Präsidenten seine Präsidentschaft mit gut bezahlten Reden vergoldet, schmerzt. Denn es zerstört Obamas moralisches Kapital. Die Demokraten verschließen vor ihrem Desaster die Augen. Sie nehmen immer noch nicht zur Kenntnis, wie sehr sich ihre Politik in Widersprüche verwickelt hat.

Nach der Wahl gab es einen Moment der Selbstkritik. Die Demokraten fragten sich, warum sie als Partei der globalen Elite wahrgenommen wurden, warum sogar Gewerkschafter mehrheitlich für Trump gestimmt hatten. Sie fragten sich, ob ihre Minderheiten- und Identitätspolitik ungerecht gewesen war und warum die Partei an der Lokalpolitik außerhalb Washingtons kaum Interesse gehabt hatte. Dann zog Trump ins Weiße Haus ein. Das Nachdenken wurde eingestellt, die Partei ging in Verteidigungshaltung.

Die Obamas hatten kürzlich erst einen Buchvertrag über 65 Millionen Dollar abgeschlossen – als hätten sie nicht gewusst, dass die etablierten Parteien kaum noch Glaubwürdigkeit besitzen. Es ist traurig, dass Obama und Clinton ihrer Partei diesen völlig unnötigen Hieb zugefügt haben. Sie muss sich die unangenehme Frage vorlegen: Wie machen wir es besser?