Plötzlich entscheiden sich Wahlen wieder in den Schulen: In Schleswig-Holstein triumphierte der unbekannte CDU-Mann Daniel Günther mit dem Versprechen, die Gymnasialzeit von acht Jahren (G8) auf neun Jahre (G9) zu verlängern. "Mehr Zeit für Bildung. Zeit für G9", ließ er überall plakatieren. Auch in Nordrhein-Westfalen, wo am Sonntag gewählt wurde, war Bildung neben Verkehr wichtigstes Thema; dort überbioten sich die Parteien mit Ideen, wie sie G8 aushöhlen.

Erst mal: Es ist gut, dass Landtagswahlen sich an den Themen entscheiden, bei denen Länder wirklich etwas zu sagen haben. Doch eine Rückkehr zu G9 wäre falsch. Wie der Kieler Bildungsforscher Olaf Köller gerade in einer Meta-Studie im Auftrag der Stiftung Mercator zeigte (ZEIT Nr. 19/17), haben sich weder die Hoffnungen der G8-Befürworter erfüllt, noch gibt es Grund für die Ängste der G9-Fans. Eine Rückkehr zu G9 wäre daher nur: teuer. "Postfaktisch" geißelte Köller das Verhalten von Politikern und Eltern.

Beide, Befürworter und Gegner der G8-Reform, verwechseln Schulstruktur und Schulqualität. Eine Schule ist aber dann gut, wenn sie gute Lehrer hat, die guten Unterricht erteilen. Deswegen braucht sie vor allem erstklassige Pädagogen. Sie braucht auch gelassene Eltern, die sich nicht in jeder Stressphase verunsichern lassen. Und sie braucht sehr viel Geld, um die Schulen digitaler zu machen.

Hoffentlich stemmen sich Grüne und FDP der normativen Kraft des Postfaktischen entgegen, wenn sie mit der Union um eine Koalition verhandeln. Lehrern und Schülern wäre es zu wünschen. Lasst die Schulen in Frieden!