Die Begegnung mit einer deutschen Kochschülerin in einem Kopenhagener Spitzenrestaurant ist schon ein paar Jahre her. Warum sie nicht in Deutschland koche? "Weil bei uns nichts los ist. Hier spielt die Musik." Stimmt: Skandinavien hat die Kochwelt verändert. Nur die Deutschen wissen das noch nicht so recht. Auch Hamburg machte wenig aus seiner Nähe zu Dänemark. Avantgarde im Stil des Noma fand man so spärlich wie das handfeste Smörrebröd, das gerade eine Renaissance erlebt.

Nun aber sind die Brüder Lund aus Kopenhagen nach Eppendorf gekommen – zwei Bilderbuchnordmänner, bärtig, groß und gelassen. Ihr Lokal versteht sich als eine Art Bistrobarcafé. Einrichtung Marke Eigenbau, aber stilvoll, wenn man es zurückgenommen und halbdunkel mag. "Hej", steht auf einer Schiefertafel. "Hej", sagt auch Christoffer Lund, der diensthabende Bruder, statt etwa darauf hinzuweisen, dass die freien Stühle knapp sind und der Gast sich über eine halbe Stunde verspätet hat. Vor der Tür sitzt eine Frau im Fransenmantel und nippt versonnen an ihrem Rosé. Das alles hat eine Lässigkeit, die Eppendorf gut brauchen kann.

Eine nordische Weinstube – das ist übrigens kein Grund, mitleidig zu grinsen. Es gibt achtbaren dänischen Wein und einen interessanten dänischen Trend, krautige Naturweine aus Südeuropa zum Essen zu servieren. Schade nur, dass keins von beidem hier angeboten wird. Stattdessen: Zusammengewürfeltes von Baden bis Südafrika. Das erscheint etwas unbekümmert, wenn man neben einer richtigen Weinbar (der von Remigio Poletto) eröffnet.

Aber Smörrebröd gibt es – nur mittags, wie in Dänemark üblich. "Eine moderne Version", sagt Christoffer Lund. Eine vereinfachte, findet der Gast, der sich auf mehrstöckige Sandwichkunstwerke mit Hering oder Krabben gefreut hat. Immerhin ist das Schwarzbrot warm und sehr herzhaft; und dem Belag aus reifer Avocado, Olivenöl und einer Prise Chili kann man allenfalls vorwerfen, dass er nicht sehr dänisch ausfällt.

Das wird auch am Abend, bei den "Nordic Tapas", nicht so eng gesehen. Ein wenig Lachs, Kohl oder Dillöl, dazu viel Austauschbares von wechselhafter Qualität. Überraschend gut sind die Fleischbällchen in Tomatensoße, die man ja als Erwachsener als Letztes bestellen würde. Die Streifen vom Grillhuhn mit Rucola-Dressing schmecken aber wie warmgehalten. Verstohlener Blick in die simpel ausgestattete Küche: Haben die überhaupt einen Grill?

Ein bisschen surreal wird es beim Carpaccio. Es erinnert an Vitello ohne Tonnato. Macht man das nicht sonst aus rohem Kalbfleisch, ziemlich dünn geschnitten? Christoffer Lund schaut konsterniert: "Nein, das Fleisch kommt aus dem Ofen. In Dänemark jedenfalls." Nun möchte man gewiss keinen Dänen über dänisches Carpaccio belehren. Kochschülern allerdings würde man andere Ausbildungsstätten empfehlen. Hier spielt nicht die Musik.

Brüder Lund, Eppendorfer Weg 283. Geöffnet dienstags bis samstags von 12 bis 23 Uhr. Tapas um 7 Euro