Das größte Containerschiff der Welt kommt nach Hamburg! 20.170 Container haben auf der MOL Triumph Platz, so viele wie auf keinem anderen Schiff. Am Montagabend gegen zehn Uhr soll der Riesenfrachter am Burchardkai anlegen, darauf rund 10.000 Container, knapp 6.000 werden hier gelöscht, gut 3.200 geladen. Drei Tage später geht es weiter nach Rotterdam.

Seit Jahresbeginn werben Hafenchef und Wirtschaftssenator für das Ereignis. Seitdem klar ist, dass sich die Elbvertiefung weiter verzögert, werben sie noch ein wenig lauter: Seht her, das größte Schiff der Welt quetscht sich trotzdem durch die Elbe in den Hamburger Hafen, so gern haben die Reeder diese Stadt.

Einzig: Das alles kommt einem ziemlich bekannt vor.

Wurde nicht gerade erst das größte Containerschiff der Welt in Hamburg getauft? Als die MSC Zoe im Sommer 2015 die Elbe entlang zum Terminal in Waltershof fuhr, tröteten ihre Schiffshörner die Star Wars-Melodie, dazu spuckten Löschboote Wasserfontänen. Das Rekordschiff sollte ordentlich gefeiert werden. Da war fast vergessen, dass nur wenige Monate zuvor schon ein Schiff mit diesem Prädikat am selben Ort angelegt hatte, die CSCL Globe.

Davor wiederum waren es die Alexander von Humboldt (2013) und ihr baugleiches Schwesterschiff Marco Polo, die 2012 zum ersten Mal nach Hamburg fuhren. Beide haben Platz für rund 16.000 Container, auch damals wurde reichlich Tamtam gemacht. Der Titel "Größtes Containerschiff der Welt" hat inzwischen eine erstaunlich kurze Halbwertszeit. Gefühlt kommt ständig das größte Schiff der Welt nach Hamburg. Und ständig ist es ein anderes.

Dabei läuft der Kampf um die meisten Container noch gar nicht so lange. Am 31. Mai 1968 legte zum ersten Mal überhaupt ein Containerschiff im Hafen an, die American Lancer. Damals war noch nicht jeder davon überzeugt, dass Container die Zukunft sind.

Heute wird ein Großteil des Welthandels mithilfe der Stahlkisten abgewickelt. Um Kosten zu sparen, bauen die Reeder immer größere Schiffe, auf die immer mehr Container passen. Und die Hafenstädte sind gezwungen, ihre Anlagen mitwachsen zu lassen, auf Kosten des Steuerzahlers. Eine teure Entwicklung.

Fast schon vergessen sind die Zeiten, als noch nicht Containerbrücken die Ladung löschten, sondern Heerscharen von Schauerleuten. Bis in die achtziger Jahre setzte die Welt auf Stückgutfrachter wie die Cap San Diego, die Kaffee in Säcken oder auch mal ganze Rinder von Südamerika nach Europa brachte. Sie ist das größte fahrtüchtige Museumsschiff der Welt. Im Vergleich zu den Containerriesen wirkt sie fast niedlich.

Als "Fracht" wurden lange Zeit auch Menschen gesehen. Die ersten Segler der Reederei Hapag-Lloyd, darunter die Deutschland, brachten Auswanderer in 40 Tagen nach New York, dazu zentnerweise Post. Später galten die Containerschiffe von Hapag-Lloyd immer wieder als die größten der Welt, zum Beispiel die Hoechst Express (1992). Für den Spitzenplatz reichten 4.442 Container.

Schon damals titelten die Zeitungen: Hamburg – Hafen der Riesen ... wie lange noch? Eine gute Frage, bis heute.

© Doreen Borsutzki für DIE ZEIT